Aus Anlaß des ersten „Europäischen Tages der Parke“ am 24. Mai plädiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen e.V. (BUND Thüringen), die Bewahrung des nationalen Naturerbes als wichtige gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen und den Naturschutz nicht als Stiefkind der Politik zu behandeln.
Der Tag der Parke sei von der europäischen Föderation der Natur— und Nationalparke, EUROPARC, für den 24. Mai ins Leben gerufen Worden. An diesem Tag waren vor 90 Jahren in Schweden die ersten Nationalparke in Europa gegründet worden, erinnert der BUND. Die Nationalpark-Idee, der Schutz wilder Natur, allerdings sei älter. Bereits 1872 sei mit dem Yellowstone Nationalpark im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika der erste Nationalpark weltweit geschaffen worden.
Mit der Ausweisung des Nationalpark Hainich am 31.12.1997 habe sich der Freistaat Thüringen in die für die Natur hoffnungsvolle Liste der bisher 14 deutschen Nationalparke eingeschrieben. Aufgabe müsse es jetzt sein, den Nationalpark Hainich zu entwickeln. „Die Schutzzone I mit bisher nur 25 Prozent an der Gesamtfläche des Nationalparks kann und muß ausgeweitet werden. Dabei sollte sich Thüringen an den internationalen IUCN-Kriterien orientieren, die vorsehen, daß 75 Prozent der Nationalparkfläche ungenutzt b1eiben“, so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.
Von der Bundesregierung verlangte der BUND erneut, den Holzeinschlag im Hainich endlich einzustellen. Hier würden Tatsachen geschaffen, die der Nationalpark-Idee zuwiderlaufen. Gerade für den Bund gelte der Verfassungsgrundsatz ,,Eigentum verpflichtet“. Die Bundesregierung könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Deutschland sei im europäischen Vergleich ohnehin Schlußlicht hinsichtlich des Nationalparkanteils, der nur 0,5 Prozent der Landfläche betrage. „Wenn das verantwortliche Bundesfinanzministerium den Nationalpark auf Langholzwagen ablegt, ist das Frevel an unserem Naturerbe“, protestierte Beck.
Von Umweltminister Sklenar forderte der BUND Thüringen aus Anlaß des Tages der Parke eine Muster-Verordnung für die vier Thüringer Naturparke vorzulegen, die auf der Höhe der Zeit sei. Hier komme es darauf an, den Schutz von Landschaft und Kulturlandschaft zu koordinieren. Der derzeit vorliegende Entwurf für den Naturpark Thüringer Wald, der auf eine Zonierung mit entsprechenden Entwicklungszielen verzichte, sei aus Sicht des Naturschutzes wirkungslos und kein Beispiel für eine ernsthafte Naturschutzpolitik, kritisierte der BUND Thüringen.
Außerdem malmt der BUND eine raschere Ausweisung der ehemals einstweilig gesicherten Naturschutzgebiete an. Beim gegenwärtigen Arbeitstempo würde, so rechnet der BUND vor, die Ausweisung der 130 Naturschutzgebiete noch 10 Jahre dauern. Hier sei auch der für das Landesverwaltungsamt zuständige Innenminister Richard Dewes gefragt.
Abschließend, so der BUND, müsse als nächstes größeres Naturschutzvorhaben die Ausweisung des länderübergreifenden Biosphärenreservates Südharz ernsthaft angegangen werden.


