Gigantische Naturzerstörung im Herzen des Thüringer Waldes: BUND-Beschwerde bei EU-Kommission wegen geplantem Pumpspeicherwerk Goldisthal

30. Januar 1996 | Flüsse & Gewässer, Ressourcen & Technik, Naturschutz, Wälder

Eisenach. In Zusammenhang mit der Planung des Pumpspeicherwerkes Goldisthal hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, bei der Europäischen Union Beschwerde über mehrere Verstöße gegen geltendes EU-Recht erhoben.

Mit dem Pumpspeicherwerk Goldisthal halte die Thüringer Landesregierung weiter an einem überflüssigen Projekt aus DDR-Zeit fest, kritisiert der BUND in einer heute ver-öffentlichten Presseerklärung. Mit dem Bau des Pumpspeicherwerkes, das eines der größten seiner Art in Mitteleuropa werden solle, gehe nicht nur eine „gigantische Naturzerstörung“ mitten im Herzen des Thüringer Waldes einher, sondern das Projekt sei auch ökonomisch und energiepolitisch unsinnig.

Oberhalb der Gemeinde Goldisthal im Kreis Sonneberg sei geplant, die Schwarza mit einem 67 Meter hohen Damm aufzustauen. 300 Meter darüber solle der Gipfel des Farmdenkopfes, einer der höchsten Erhebungen im Thüringer Wald und Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Auerhuhns, weggesprengt und an seiner Stelle ein mehrere Millionen Kubikmeter großes Oberbecken untergebracht werden. Im Berg solle ein riesiges Kavernenkraftwerk entstehen. Bei Stromüberschuß würden die Wassermassen aus dem Unterbecken den Berg hochgepumpt; bei Strombedarf flössen sie über Turbinen wieder hinab. Gigantische Wasserbewegungen würden im Unterbecken eine tägliche Hebung und Senkung des Wasserspiegels bis zu 30 Metern hervorrufen.

„Solch gigantische Pumpspeicherwerke sind keine umweltfreundlichen Stromerzeuger, sondern Steigbügelhalter der Energieverschwendung“, so Michael Spielmann, BUND-Landesgeschäftsführer in Thüringen. Sie seien die technische Voraussetzung für den Betrieb von Atommeilern und anderen Großkraftwerken. Denn einerseits müßten bei Ausfall eines Großkraftwerkes große Strommengen in Sekundenschnelle im Netz verfügbar sein, und andererseits verlangten Großkraftwerke einen vom schwankenden Stromverbrauch unabhängigen Dauerbetrieb. Mit Pumpspeicherwerken ließe sich dafür „überschüssiger“ Strom speichern, bis er zur Anwendung käme.

„Dieses Projekt steht einer Wende in der Energiepolitik entgegen, weil hier mit Steuer-geldern die Energieverschwendung subventioniert wird“, so Spielmann weiter.

Mit der Planung des Pumpspeicherwerkes Goldisthal werde zudem gegen die EU-Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP-Richtlinie - 85/337/EWG), gegen die europäische Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) und gegen die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU (FFH-Richtlinie - 92/43/EWG) verstoßen, so der BUND in seinem Brief an die EU. Der BUND kritisierte darin neben der Ausrottung von Rote-Liste-Arten in den Naturschutzgebieten Schwarzatal und Wurzelfarmde vor allem, daß die Raumordnungsbehörde keine Alternativen zum Bau des überflüssigen Pumpspeicherwerkes geprüft habe. Der Vorhabensträger, das Stromversorgungsunternehmen VEAG, berufe sich bei der Planung lediglich auf Standortuntersuchungen, die bereits zu DDR-Zeiten den Standort Goldisthal als für das Bauvorhaben „am besten geeignet“ festgeklopft hätten.

Von der zuständigen EU-Kommission fordert der BUND nun, den Sachverhalt zu prüfen und mögliche Verstöße gegen das Gemeinschaftsrecht umgehend zu ahnden. Angesichts des in Kürze zu erwartenden Planfeststellungsbeschlusses und des noch für dieses Frühjahr angekündigten Baubeginns fordert der BUND seitens der EU ein rasches Einschreiten. 

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