Eisenach. Scharfe Kritik übt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, an den Plänen der TEAG Entsorgungs GmbH, in Südthüringen eine Müllverbrennungsanlage mit einer jährlichen Kapazität von 240.000 Tonnen Restmüll zu bauen (die Presse berichtete).
Der BUND verurteilt die Müllverbrennung als „einfallslose Lösung“. „Man macht es sich sehr einfach: Großer Ofen, alles ‘rein, auch das, was zu verbrennen völliger Unsinn ist, und schon glaubt man, das Problem beseitigt zu haben“, so Christine Meinecke, abfallpolitische Sprecherin beim BUND Thüringen. Die Probleme gingen aber nach der Verbrennung erst richtig los, denn die Verwertung von unbehandelten Schlacken und Aschen aus Müllverbrennungsanlagen als Baustoff sei aus rechtlichen Gründen wegen des hohen Schadstoffgehaltes nicht mehr zulässig. Die Filterstäube müßten sogar wie hochgiftiger Sondermüll behandelt werden.
Insbesondere kritisiert der BUND, daß der Energiekonzern die rückläufige Tendenz der Abfallmengen völlig ignoriere und gar nicht erst über die alternative Vorbehandlung zur Reduzierung des Restmülls nachdenke. Nur Großanlagen seien offensichtlich finanziell interessant und versprächen große Gewinne, wobei die Körperschaften mit langjährigen Verträgen über „garantierte“ Müllmengen über viele Jahre geknebelt werden sollten. Bei einer Beteiligung der Körperschaften, z.B. mit 49 Prozent, hieße das, daß eventuelle Verluste auch zu Lasten der Bürger gingen.
Die Müllverbrennung sei das grundsätzlich teuerste Verfahren überhaupt. Für eine Restmüllmenge von 240.000 Tonnen pro Jahr seien die Investitionskosten nach Ansicht des BUND mit 300 Millionen Mark noch zu „tief gestapelt“. Bisherige Erfahrungen zeigten, daß bei Anlagen dieser Größenordnung mit zum Teil mehr als doppelt so hohen Investitionskosten zu rechnen sei, die dann auf den Gebührenzahler abgewälzt würden.
„Mit dem Bau großer Müllverbrennungsanlagen begibt sich die TEAG in die abfallwirtschaftliche Steinzeit, weil sie damit eine Explosion der Einwegverpackungen induziert“, so Klaus Fink, Fachreferent beim BUND. Gleichzeitig wies Fink darauf hin, daß einige Anlagen in den Altbundesländern nicht ausgelastet seien. Die dortigen Betreiber wüßten oftmals kaum noch, wo sie den Müll herholen sollen, um rentabel zu arbeiten. Mit dem Bau zusätzlicher Müllverbrennungsanlagen werde die allseits immer wieder beteuerte Priorität der Abfallvermeidung vor der Abfallbeseitigung völlig ad absurdum geführt.
Schwachsinn seien Müllverbrennungsanlagen in Thüringen - außer in Südthüringen plane die TEAG eine weitere Großanlage in Erfurt - auch noch aus einem anderen Grund: Ab 1996 gelte das Kreislaufwirtschaftsgesetz mit der Konsequenz, daß die Abfallmengen überhaupt nicht mehr prognostizierbar seien.


