Eisenach. Strafanzeige gegen Unbekannt hat der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bei der Staatsanwaltschaft Meiningen gestellt. Damit reagiere der BUND auf Baumaßnahmen, die illegal und offenbar im Zusammenhang mit der geplanten Trinkwassertalsperre Leibis seit einiger Zeit im Bereich des Naturschutzgebietes "Meuraer Heide" (Schwarza-Kreis) durchgeführt worden seien, teilte der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, heute in Eisenach mit. Es sei zumindest eine Straße errichtet und mit einer bituminösen Tragschicht versehen worden. Darüber hinaus seien in der Vergangenheit möglicherweise noch weitere ungenehmigte Eingriffe in dem Naturschutzgebiet erfolgt.
Dies ist nach Ansicht des BUND ein klarer Verstoß gegen das Thüringer Naturschutzgesetz und den §329 des Strafgesetzbuches, der die Gefährdung schutzwürdiger Gebiete unter Strafe stellt. Die Verantwortlichen müßten demnach auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Als "Skandal" bezeichnet es Spielmann, daß der Vorgang dem Thüringer Landesverwaltungsamt als der zuständigen Behörde offensichtlich seit längerem bekannt sei, ohne daß gegen die fortschreitenden Baumaßnahmen vorgegangen worden sei. "Wir haben die Staatsanwaltschaft deshalb um Ermittlung gebeten, ob und inwieweit hier strafrechtlich relevante Versäumnisse, Duldungen oder Hilfestellungen von Seiten der damit bislang befaßten Ämter und Behörden festzustellen und gegebenenfalls zu ahnden sind", so Spielmann.
An Angaben des BUND handelt es sich bei dem betroffenen Naturschutzgebiet um ein von Seiten der Bundesregierung gemäß der europäischen "Vogelschutzrichtlinie" als Gebiet mit besonderer Bedeutung für den Schutz wildlebender Vögel benanntes Areal, welches vor allem dem Schutz des Auerhuhns diene. "Das Auerhuhn ist eine Vogelart mit großem Lebensraumanspruch und benötigt großflächig ungestörte Waldbereiche. Diese Vogelart gehört zu den vom Aussterben bedrohten "Rote-Liste-Arten", dessen Bestandsabnahme als dramatisch eingeschätzt werden muß", erklärte Spielmann.
Spielmann betonte, daß das betroffene Naturschutzgebiet "Meuraer Heide" zu den letzten Rückzugsgebieten des Auerhuhns in der Region Südthüringen gehöre. Allein dort seien seit 1970 die Bestände von 300 auf 20 Vögel zurückgegangen. "Es ist zu befürchten, daß es bereits durch den Bau der Straße zu einer Lebensraumzerschneidung gekommen ist. Zukünftig drohen durch Transporte, Verlärmungen und Staubeintrag weitere schwerwiegende und nachhaltige Beeinträchtigungen des Auerhuhnbestandes sowie weiterer vom Aussterben bedrohter Arten, wie z.B. dem Rauhfußkauz.
"Daß illegale Baumaßnahmen für die geplante Talsperre Leibis unter den Augen der Behörden stattfinden, rückt das gesamte Projekt einmal mehr ins Zwielicht und läßt für das anstehende Planfeststellungsverfahren Schlimmes erwarten", so Spielmann abschließend.


