Intelligenz statt Beton – BUND-Ost-Landesverbände appellieren an die Dessauer CDU-Konferenz

10. Mai 1996 | Nachhaltigkeit, Mobilität, Energiewende

Eisenach/Dessau. Eine "Bruchlandung Ost" muß nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verhindert werden. Die sechs östlichen Landesverbände des Umweltverbandes begrüßten das Vorhaben der CDU-Landtags-Fraktionsvorsitzenden, zusammen mit Bundeskanzler Helmut Kohl den "Aufschwung Ost" auf den Prüfstand zu stellen.

Eine Kurskorrektur sei überfällig, da "den westlichen Wachstumskonzepten der fünfziger Jahre die finanzielle Puste ausgeht", wie der thüringische BUND-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf-Uwe Beck in Eisenach betonte.

Beck kritisierte, daß in den letzten Jahren bereits eine Vielzahl von Chancen verspielt worden seien, die neuen Bundesländer an den Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu orientieren. Beck: "Der Traum vom schnellen Reichtum für alle ist ausgeträumt." Der Fehlstart werde vielerorts als Bankrott der "Demokratie" fehlinterpretiert. Ein "Weiter-so!" sei undenkbar.

Nun müßten – wie von den Umweltverbänden seit Jahren gefordert – alternative Wege der wirtschaftlichen Entwicklung beschritten werden. Die CDU trage hierfür eine besondere Verantwortung, denn die vergangenen fünf Jahre seien nicht nur durch eine gigantische Deindustrialisierung, sondern auch durch eine kostenintensive, aber arbeitsplatzarme Förderpolitik gekennzeichnet.

Nach Ansicht der BUND-Landesverbände müssen vor allem die gigantischen Investitionsmittel in die Verkehrsinfrastruktur (Autobahnbau, Havel-und Elbe-Ausbau, Großflughafen Berlin-Brandenburg, ICE-Strecke München-Berlin, Transrapid) umgelenkt werden.

Für eine dauerhafte Entwicklung müßte stattdessen die Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe in Angriff genommen werden. Förderschwerpunkte könnten umweltverträglich gestaltete Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung, Forstwirtschaft, das Handwerk, die Energieeinsparung und verstärkte Nutzung regenerativer Energiequellen sowie eine Dezentralisierung des Handels bis hin zu Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften sein.

Eine stärkere Förderung der Teilzeitbeschäftigung/Familienarbeitszeit und der Abbau teilweise gigantischer Überstundenberge müsse im Übrigen für mehr Verteilungsgerechtigkeit – im Osten wie im Westen – sorgen. 

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