Kampf gegen die „Thüringer-Wald-Autobahn“ ist erfolgreich

19. Oktober 1995 | Mobilität, Naturschutz

BUND: Verkehrspolitischer Größenwahn bekommt zu Recht einen Dämpfer

Eisenach. Mit Zuversicht reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, in seiner jüngsten Presseerklärung auf die überraschenden Zugeständnisse der Verkehrsplaner, die Autobahnen A 71 und A 73 nicht wie geplant verwirklichen zu können. Demnach wäre das Verkehrsprojekt Nr. 16 über weite Strecken nur noch als zweispurige Bundesstraße mit Ortsumgehungen zu realisieren und in seiner ursprünglichen Planung nicht zu bezahlen.

„Der Realitätssinn zwischen den Fingern scheint nun wohl doch den Größenwahn zu besiegen“, so wertet der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Henkel die aktuellen Hiobsbotschaften.
Sollten diese Informationen von offizieller Strelle bestätigt werden, stehe die thüringische Umweltbewegung, allen voran der BUND, damit vor ihrem bisher größten politischen Erfolg. Niemand könne dann bezweifeln, daß der bereits mehr als fünf Jahre andauernde hartnäckige Widerstand gegen das größte Zerstörungswerk Thüringens und Nordbayerns ein wichtiger Grund für die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums war.

Nach Ansicht des BUND stehe damit aber auch fest, daß wirksame Maßnahmen zur Verbesserung der regionalen Verkehrssituation weiterhin auf sich warten lassen.
So konzentriere sich die DEGES jetzt zunächst auf den Bau von Autobahnabschnitten zwischen Erfurt und Suhl, einschließlich der monströsen Untertunnelung des Thüringer Waldes. Somit solle erst bei den südlichen Bauabschnitten abgespeckt werden.
„Statt immer konfuseren Planspielen brauchen wir jetzt ein klares Bekenntnis zu einer brauchbaren Alternativlösung für die Gesamtstrecke. Diese sehen wir nur im Ausbau der vorhandenen Bundesstraßen mit Ortsumgehungen“, so Henkel.

Nur der bisherigen Sturheit der Bundes- und Landespolitik sei es zu verdanken, daß die von Bürgerinitiativen und Umweltverbänden bereits 1990 gemachten Alternativvorschläge bisher nicht aufgegriffen wurden, jetzt aber zwangsläufig zur Debatte stünden. Vielen stark verkehrsbelasteteten Gemeinden sei mit dieser Autobahnhinhaltetaktik damit auf skandalöse Weise der Weg für schnelle, entlastende, finanzierbare und umweltverträgliche Verkehrslösungen versperrt worden, resümiert der BUND.

Die Umweltorganisation werde sich daher nicht mit der jetzigen Situation zufrieden geben, sondern mit gestärktem Selbstbewußtsein weiterhin solange Widerstand leisten, bis die Autobahnplanung ganz vom Tisch ist. Der Anfang vom Ende sei eingeläutet, heißt es abschließend. 

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