Eisenach. Aus Anlaß des ersten Spatenstiches im Bündlungsbereich der Thüringer-Wald-Autobahn A 71 und der ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt-Berlin bei Rudisleben (Ilmkreis) hat der BUND Thüringen seine Kritik an den "umweltzerstörenden Mammutprojekten" erneuert und die Umsetzung "zukunftsfähiger Alternativen" angemahnt.
"Während Bundes- und Landesregierung derzeit mit allen Mitteln Haushaltslöcher stopfen und dabei auch vor der Demontage des Sozialstaats nicht zurückschrecken, sollen gleichzeitig zwischen Erfurt und der bayrisch-thüringischen Landesgrenze 15 Milliarden buchstäblich in den Sand gesetzt werden", bemängelt Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen und stellvertretende Bundesvorsitzender in einer heute veröffentlichten Presseerklärung.
An die Adresse des Bundesverkehrsministers, Matthias Wissmann (CDU), richtet der BUND den Vorwurf der "Scheinheiligkeit": "Erst am vergangenen Wochenende hat Wissmann beim Treffen der EU-Verkehrsminister eine klare marktwirtschaftliche Strategie für umweltfreundlichen Verkehr gefordert. Mit der heutigen Propagandaveranstaltung für Autobahn und ICE straft er seine ökologischen Sonntagsreden Lügen", so Beck.
Als "makaberes Spektakel" und "Volksverdummung" rügt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann, den heutigen Baubeginn: "Jeder weiß, daß der Bundesverkehrswegeplan hoffnungslos unterfinanziert ist. Die hektischen Spatenstiche im Thüringer Wald und unlängst im Südharz sind nichts anderes als Beweise für die Angst der Planer vor dem drohenden Bankrott der bisherigen Verkehrspolitik", so Spielmann. Am Ende würden knappe Steuergelder für unsinnige Trassenfragmente verschleudert, während für den dringend notwendigen Ausbau des bestehenden Schienen- und Straßennetzes das Geld fehle. "Verbaut wird so nicht nur die einzigartige Landschaft im Grünen Herzen Deutschlands, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft Thüringens".
Autobahn und ICE sind für den BUND "Symbole wirtschaftspolitischer Phantasielosigkeit und ökologischer Ignoranz" von Bundes- und Landespolitik: "Es ist absurd, daß derart teure und umweltzerstörende Trassen quer durch den Thüringer Wald geschlagen werden, damit noch schneller Güter aus ganz Europa nach Thüringen geschafft werden und der regionalen Wirtschaft den Boden entziehen". "Intelligenz statt Beton" sei die Forderung des BUND für eine "moderne Verkehrsplanung der Zukunft".
Die Zerschneidung des Thüringer Waldes durch neue Transitstrecken sei jedoch nicht zukunftsfähig, sondern "rückwärtsgewandte Fortschrittsgläubigkeit" und Ausdruck einer "Raubrittermentalität gegenüber der Natur". Der BUND weiter: "Wir klagen die maßgeblichen Politiker in Bund und Land der Zerstörung und Verschandelung des Grünen Herzen Deutschlands an. Bundesverkehrsminister Wissmann und Ministerpräsident Vogel sind damit verantwortlich für eine der größten Bausünden der Republik".


