Wussten Sie, dass auf einem Quadratmeter Blumenwiese bis zu 3.000 Einzelpflanzen und 60 Pflanzenarten stehen? Und wussten Sie, dass etwa 1.500 Insekten- und Spinnentiere darauf wertvollen Lebensraum finden? Der Artenvielfalt auf dieser Wiese steht die Artenarmut unserer Rasenflächen gegenüber, die höchstens ein Dutzend Gräser beheimaten. Schmetterlinge merken das sofort. Während blütenreiche Naturgärten von zehn bis dreißig Arten besucht werden, sind es in Gärten mit wenigen fremdländischen Pflanzen gerade mal drei.
Wir alle lieben Blühpflanzen und farbenfrohe Landschaften. Woher kommt dann der Drang zum englischen Rasen, zur Einheitsmahd, die kaum Leben zulässt? Womöglich weil das Einheitsgrün seit den 50er Jahren unsere Gärten prägt oder man nicht auffallen möchte gegenüber den Nachbarn, um nicht etwa als chaotisch oder unaufgeräumt zu gelten. Auf Flächen, die begangen oder für Sport und Spiel genutzt werden, ist ein kurzgeschorener Englischer Rasen sicherlich eine gute Lösung. Eine Standardlösung sollte er allerdings nicht sein. Das als Unkraut verschriene Wiesenkraut sollte nicht bekämpft werden, denn es dient als Nahrungsquell für viele Tiere. Mancherorts entstehen so Projekte, die Bienen, Hummeln und andere Insekten zurücklocken wollen, so im Großraum Osnabrück, wo Regio-Saatgut an Bürger und Bürgerinnen kostenlos verteilt wird.
Auch im Ilm-Kreis sollten Behörden, Grünflächenämter und Bauhöfe, aber auch Kleingärtner ihre Pflegestandards im Hinblick auf Natur- und Umweltschutzaspekte hinterfragen. Eine kurzrasige Nutzfläche kann man mit wenig Aufwand zu einer extensiv gepflegten Fläche umwandeln; eine Wiese, die ein bis zweimal im Jahr (Ende Juni und September) gemäht wird und in der übrigen Zeit wildlebenden Tieren und Pflanzen zur Verfügung steht. Je später der erste Schnitt erfolgt, umso besser säen sich die Wiesenblumen aus. Allerdings fallen die Samen nur dann aus, wenn das gemähte Gras trocknet und als Heu drei bis vier Tage auf der Wiese bleibt. Das entfernte Mähgut kann danach kompostiert werden oder als Tiereinstreu dienen.
Der BUND empfiehlt den Einsatz einheimischer, standortangepasster Pflanzen in Form von Blühmischungen im Verkehrsbereich oder als Blühstreifen auf Grünflächen (Parks, Friedhöfe, Baubrachen, Ausgleichsflächen, Gartenwiesen). Rieger-Hofmann (http://www.rieger-hofmann.de/home.html) zum Beispiel bietet für jede Region und jeden Boden das passende Saatgut.
Tipps vom BUND zur Pflege einer Wildblumenwiese:
Soll ein Rasen zur Wiese werden, ist die Art der Mahd entscheidend: Mulcher sind abzulehnen, denn die zerhacken und zerstückeln alle Pflanzen- und Tiere und saugen die Reste ab. Besser sind Balkenmäher, die das Gras scherenartig schneiden. Besonders bei der Überführung von zuvor stark gedüngtem Rasen in eine Blumenwiese muss zu Beginn oft mehrfach gemäht und abgeräumt werden, um die Flächen auszuhagern. Auf anderen Flächen kann es sinnvoll sein, nur gelegentlich zu mähen. Je nach Pflanzen- und Tierbestand sind bestimmte Mähzeitpunkte einzuhalten. Hier helfen die Naturschutzverwaltung, der BUND vor Ort und erfahrene Landschaftsarchitekten. Dürfen die Gräser und Kräuter dann ungestört wachsen und werden nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht, wird der Rasen zur Wiese. Weder Chemie noch Dünger gehören auf die Hauswiese. Und nur in sehr langen Trockenzeiten erhalten die Wildblumen und Gräser etwas Wasser. Hier blühen Glockenblumen und Spitzwegerich sowie zahlreiche andere Wiesenkräuter.
Jede nicht intensiv wirtschaftlich genutzte Wiese ist heute eine Überlebensinsel für Wiesenkräuter, die im intensiv landwirtschaftlich genutzten Grünland keine Chance mehr haben. Weitere Informationen finden Sie unter:
Quellenangaben:
www.bund.net/themen_und_projekte/biologische_vielfalt/wiesen_weiden/aktiv_werden/oeffentliches_gruen/
www.bund.net/themen_und_projekte/biologische_vielfalt/wiesen_weiden/aktiv_werden/wiese_statt_englischer_rasen/
www.blumige-landschaften.de
www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/stieglitz/buntemeter/index.html


