Lebensraum des Monats April: Der Waldlabkraut - Eichen - Hainbuchenwald

10. April 1996 | Lebensräume, Wälder, Naturschutz, Mobilität

Zum Lebensraum des Monats April hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, den Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald erklärt. Dieser steht als bestandsgefährdete Pflanzen- und Tiergesellschaft in der Roten Liste Thüringens, Kategorie 3.

Der Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald war als gemäßigt kontinentale Waldgesellschaft früher in den Niederungen und Hügelländern Thüringens weit verbreitet. Infolge der zunehmenden Acker- und Grünlandnutzung sowie der infrastrukturellen Erschließung wurden diese Wälder weitgehend verdrängt und sind heute nur noch als kleine Reste in der Agrarlandschaft zu finden.

Der durch eine große Artenvielfalt gekennzeichnete Waldbestand ist vertikal gegliedert, aber stockwerkartig aufgebaut, wobei in der oberen Baumschicht Traubeneiche, Rotbuche, Sommerlinde, Bergahorn und Fichte vergesellschaftet sind. Die mittlere Baumschicht wird von Hainbuche, Feldahorn, Eberesche und Birke gebildet. In der Strauchschicht dominieren Weißdorn, Haselnuß, Schwarzer Holunder und Roter Hartriegel. Vegetationsaufnahmen in der Krautschicht ergaben den Nachweis von knapp 100 Blütenpflanzenarten. Entsprechend viele Tierarten finden sich in diesem Refugium.

Beispiel: Das Bettelmannsholz bei Görbitzhausen im Ilmkreis
Das kleine, nur einige Hektar große Bettelmannsholz bei Görbitzhausen im Ilmkreis ist ein typischer Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald. Es bietet im Biotopverbund mit der angrenzenden Feldflur sowie mit anderen benachbarten Biotopen ideale Lebensbedingungen für Greifvögel, z.B. Mäusebussard, Turmfalke, Roter Milan, Sperber und Kornweihe.

Der BUND Thüringen besaß hier noch bis vor kurzem ein etwa 0,6 Hektar großes Waldgrundstück, das demnächst der Trasse für die „Thüringer-Wald-Autobahn“ und ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt zum Opfer fallen wird. Einem weiteren Mosaiksteinchen gleich wird dann abermals ein Stück naturnaher Lebensraum dem „Fortschritt“, so wie ihn die Politiker (nicht nur) der Bonner Regierungskoalition verstehen, weichen müssen.

Ungeachtet dessen hat der BUND Thüringen zusammen mit dem Verband für Naturschutz und biologischen Landbau Thüringen und weiteren Verbündeten Anfang des Jahres 1994 eine Nutzungskonzeption für das Bettelmannsholz erarbeitet. Da der

BUND nicht an einer wirtschaftlichen Nutzung seiner Waldparzelle interessiert war, sollten die entsprechenden Flächen ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Ein Naturlehrpfad mit Hinweistafeln, der das Wäldchen einschließt, eine Walderlebnisstelle für Kinder sowie ein Beobachtungsstand für Greifvögel wurden teilweise eingerichtet oder waren vorgesehen.

Wenigstens soll nun das stille Wäldchen das Auge seiner ehemaligen Besitzer noch solange erfreuen, solange hier die Bulldozer für den Bau der „Waldautobahn“ noch nicht rollen und ihr Vernichtungswerk verrichten werden. 

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