Einer der wichtigsten, schönsten, aber auch am stärksten gefährdeten Lebensräume sind unsere Fließgewässer, die Bäche und Flüsse. Dem Wasserbauingenieur der Vergangenheit war der Fluß ein Gegenstand technischer Gestaltung, ein "Vorfluter". Das Bett wurde begradigt, vertieft, zwischen Deiche, in Stein und Beton gezwängt. Alles nach der Devise "Das Wasser muß so schnell wie möglich 'raus aus der Landschaft !" Auch Mangel- und Notsituationen war nach diesem Konzept wieder nur mit viel Beton zu begegnen. Der Lebensraum Fluß bot so dem Leben keinen Raum mehr. Auf die Gratisleistungen der Natur wurde verzichtet.
Heute hat dank der kontinuierlichen Aufklärungsarbeit der Naturschutzverbände, z.B. des BUND, ein Umdenken begonnen. "Revitalisierung der Fließgewässer" heißt das Mittel, mit dem Hochwasserkatastrophen, dem Trinkwassernotstand und dem Artensterben begegnet werden soll. Die "Unstrut-Revitalisierung" ist ein Beispiel für Thüringen.
Mit gleichem Aufwand, mit dem zuvor der Naturzustand zerstört wurde, wird nun versucht, ihn wenigstens teilweise wiederherzustellen. Leider wird das Zerstörungswerk im Flußsystem der Schwarza, einer unserer schönsten Gebirgsflüsse, gleichzeitig aber weiter fortgeführt.
Das Ziel der Revitalisierung ist, den Wasserdurchfluß wieder auf die landschaftstypische Geschwindigkeit zu verringern, die Grundwasserbildung zu fördern, das Selbstreinigungsvermögen zu erhöhen, die Trinkwasserbereitstellung und den Artenschutz zu sichern.
Im Auenbereich muß jede Bebauung und Bodenversiegelung unterbleiben, der Rückbau vorhandener Bebauung ist anzustreben. Damit verbleibt außerhalb der Siedlungen als Nutzungskonkurrent für den Ausbreitungsbedarf der Bäche und Flüsse allein die Landwirtschaft. Mit der Umstellung auf extensive, umweltschonende Bewirtschaftung werden sich hier aber sicher die entsprechenden Kompromisse finden lassen.
Revitalisierung - das heißt, der Fluß lebt und leistet die anstehenden "Arbeiten" bei der Gestaltung seines Bettes selbst. Hat er ausreichenden Raum, dann schafft er Kolke, Sand- und Kiesbänke, Steilabbrüche, Flutmulden und Altarme. Die Finanzen werden entlastet; dafür kann man Land erwerben, Landwirtschaftsbetriebe stützen, Hochwassersicherung im Siedlungsbereich finanzieren.
An diesem Fluß findet beispielsweise der Flußregenpfeifer wieder Kiesbänke zum Brüten. Und niemenden mehr stört der Wurzelteller einer umgestürzten Pappel im Flußbett. Er verlangsamt den Wasserabfluß und bietet dem Eisvogel einen Brutplatz.
Die Fische suchen sich dann wieder ihren angestammten Flußabschnitt als Laichraum, und die den Fluß heute belebenden künstlichen Aussetzaktionen der Angelsportler wären eines Tages nicht mehr nötig.


