Lebensraum des Monats Februar: Der Graben

09. Februar 1996 | Lebensräume, Naturschutz

In Thüringen wurden schon im vergangenen „Europäischen Naturschutzjahr“ 1995 keine Meilensteine für den Naturschutz gesetzt. Im „Jahr danach“ droht dem Naturschutz im Freistaate mehr denn je zuvor, vielen anderen Belangen untergeordnet zu werden.
Das ist für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, Grund genug, die Reihe „Lebensraum des Monats“ beharrlich weiterzuführen. Sie soll auch ein Lichtblick im traurigen Einerlei der Meldungen über die fortschreitende Naturzerstörung beispielsweise durch Bergbau-Vorhaben sein. Der Öffentlichkeit sollen dabei gefährdete Lebensräume für Tiere und Pflanzen bewußter gemacht werden. Vorrangig wird auf die nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes besonders geschützten Biotope eingegangen.

Der Merzegraben bei Tiefenort (Wartburgkreis)


Als aktuellstes Vorhaben der BUND-Ortsgruppe Krayenberg im Wartburgkreis soll die Unterschutzstellung des etwa 1100 Meter langen, durchschnittlich 25 breiten Merzegrabens in der Flur Tiefenort unterstützt werden.
Die Untere Naturschutzbehörde des Wartburgkreises hat dazu bereits ein Gutachten erstellen lassen, das die Schutzwürdigkeit unter Beweis stellt und diese auch dringend anrät.

Bedeutsam wird der Merzegraben durch eine Vernetzung verschiedener Biotopformen. Magerrasen wechselt mit Streuobstwiesen, hier finden sich Solitärbestände (z.B. einzelne Großbäume) inmitten von Feldgehölzstreifen - die Vielfalt der Flora fördert eine Vielzahl der unterschiedlichsten Tierarten. Als Rote-Liste-Arten kommen beispielsweise Gemeine Grasnelke, Zauneidechse und Rebhuhn vor. Unter anderem sind im Merzegraben auch viele Insekten- und Käferarten beobachtet worden.

Für die Bewohner der näheren Umgebung ist das Gebiet als Ziel von Spaziergängen lukrativ. Der BUND will einen Lehrpfad einrichten und so naturnah Bildung am konkreten Objekt ermöglichen. Die Mitglieder der Ortsgruppe Krayenberg wollen zusammen mit allen Interessierten in diesem Gebiet Naturschutz praktizieren. Bis dahin sind noch behördliche Schritte nötig. Der BUND wird sich als kompetenter Partner für alle erweisen, denen ernsthaft an der nachhaltigen Entwicklung des Merzegrabens liegt. 

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