Lebensraum des Monats März: Kalkhalbtrockenrasen

06. März 1996 | Lebensräume, Naturschutz

Zum Lebensraum des Monats März hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, den Kalkhalbtrockenrasen erklärt.
Dieser ist wie alle Trocken- und Halbtrockenrasen ein besonders geschützter Biotop nach § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes. Hier finden sich eine der artenreichsten Pflanzengesellschaften überhaupt und entsprechend viele Tierarten, vor allem wirbellose Tiere: Insekten, Käfer und Spinnen, darunter viele vom Aussterben bedrohte und bestandsgefährdete Arten. Als Rote-Liste-Arten kommen z.B. Golddistel, Silberdistel, Küchenschelle und Bienenragwurz sowie Zauneidechse und Schwarze Röhrenspinne vor.
Allgemein sind Trocken- und Halbtrockenrasen oft lückige, von nieder- bis mittelwüchsigen Gräsern und Kräutern geprägte Magerrasen trockener bis mäßig trockener Fels-, Kies-, Sand-, Kalk-, Gips-, Lehm- und Tonstandorte, z.T. mit eingestreuten Büschen und Bäumen. Geschützt sind alle Bestände ab 100 Quadratmetern Fläche, die mindestens 3 Meter breit sind.

Beispiel: Der Petersberg bei Eisenach
Der 344 Meter hohe Petersberg im Osten von Eisenach ist vorwiegend aus Muschelkalk aufgebaut. Besonders seine sonnige Südseite, die zum Hörseltal abfällt, ist der ideale Standort für einen Kalktrocken- und halbtrockenrasen, der unter anderem Orchideen wie Bienenragwurz und Helmknabenkraut beherbergt. Der karge, trockene Boden erweist sich als Eldorado einer für mitteleuropäische Verhältnisse außerdordentlich artenreichen Pflanzen- und Tiergesellschaft. Aber auch offene Mischwaldbestände, die durch teilweise Aufforstung oder durch Samenanflug entstanden sind, sowie offene Trockengebüsche sind hier zu finden. Auf dem Plateau sowie auf seiner Nordseite finden sich neben Mischwald- und Kiefernbeständen z.B. auch Kalkhalbtrockenrasen, Trockengebüsche, offene Kirschplantagen mit Halbtrockenrasencharakter sowie Streuobstbestände. Der Petersberg ist aber nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch - insbesondere wegen seiner herrlichen Aussicht auf Eisenach und seine Umgebung - für Spaziergänger zu jeder Jahreszeit attraktiv.

Der BUND Wartburgkreis pflegt regelmäßig den Petersberg. Überließe man den Petersberg der fortschreitenden Sukzession, so entstünde dort langfristig ein sommergrüner Laubmischwald als Endstadium. Dies wäre zwar mit einer Zunahme der Waldfläche, jedoch auch mit einem einschneidenden Rückgang sonstiger wertvoller Lebensräume verbunden. Viele Tier- und Pflanzenarten, die sich erst in einer vom Menschen mit seinen Tieren geprägten Kulturlandschaft entwickeln konnten, würden verschwinden, weil sie nicht in der Lage wären, sich unter den neuen Lebensbedingungen erfolgreich durchzusetzen.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung wären die Trocken- und Halbtrockenrasen. Zur Erhaltung dieses Lebensraumes wäre eine regelmäßige Beweidung durch Schafe und Ziegen notwendig. Da unter den jetzigen wirtschaftlichen Bedingungen diese Form landwirtschaftlicher Kultur jedoch kaum noch „rentabel“ ist und damit die Zahl der Schafe drastisch zurückgeht, bleibt als einzige Möglichkeit die Durchführung von Entbuschungsarbeiten auf manuellem Wege.
Mitglieder des BUND Wartburgkreis und Schüler des Eisenacher Ernst-Abbe-Gymnasiums haben sich daher der Entbuschung und Pflege einer Kirschplantage mit Halbtrockenrasencharakter angenommen. Anfang März dieses Jahres wurden unter anderem vor allem den Kalkhalbtrockenrasen überwuchernde Weißdorngebüsche und die inzwischen vielerorts auf dem Petersberg allgegenwärtige Gemeine Waldrebe stellenweise entfernt. Die Pflegemaßnahmen werden jährlich zweimal durchgeführt und vom Umweltamt der Stadt Eisenach finanziell unterstützt. 

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