Lebensraum des Monats November 1995: Benjeshecken

22. November 1995 | Lebensräume, Naturschutz

Eisenach. In Podelsatz bei Stadtroda entsteht durch die Mitglieder des Umwelt- und Naturschutzvereins eine Benjeshecke.

Der Begriff "Benjeshecke" geisterte schon lange durch die Köpfe einiger Vereinsmitglieder, und das nicht erst seit der Gründung des Umwelt- und Naturschutzvereins Stadtroda am 20. Februar 1990. Aber erst mit der politischen Wende 1989 in der DDR gab es die Möglichkeit, umfassende Literatur auch zum Thema Benjeshecken zu bekommen.
So lag dann eines Tages auch das Buch von Hermann Benjes über die Feldhecken auf dem Tisch der Gruppe. Nach eingehendem Studium stand fest, daß dieser Mann in Stadtroda einen Vortrag über das Thema halten müsse. Am 16. September 1993 war es dann soweit: Über 100 Gäste hörten und sahen eine brillante Diashow. Danach gab es für die Naturschützer keine Zweifel mehr, daß irgendwo in der näheren Umgebung eine Benjeshecke angelegt werden müsse.

Da die Erhaltung naturnaher Flächen ein Arbeitsschwerpunkt des Vereins ist, bewirtschaften die Mitglieder seit Mai 1991 eine Streuobstwiese bei Podelsatz. Die Wiese liegt am Rande einer intensiv genutzten landwirtschaftlichen Fläche. Große Felder und Feldwege ohne Baum und Strauch bestimmen hier das Landschaftsbild. Einige wenige Heckenrudimente erinnern noch an andere Zeiten.

So war der Standort für die Benjeshecke, die in Zukunft die Streuobstwiese mit den noch vorhandenen Heckenstücken verbinden soll, bald gefunden.

Zunächst mußten die theoretischen Voraussetzungen, u.a. die Zustimmungen der Grundstückseigentümer, für die Anlage der Hecke geschaffen werden. Nach einigen Gesprächen zeigten die Eigentümer Interesse für das Vorhaben der Stadtrodaer Gruppe und gaben ihr Einverständnis.

Ende Mai 1994 kam es zum ersten "Großeinsatz" zum Aufbau der Hecke. Kein anderer als Hermann Benjes könnte diese Situation treffender schildern: "...Da liegen sie nun, fünf oder sechs Gestrüpphaufen, gleichmäßig über eine Länge von 100 Metern verteilt. Ein bißchen feierlich kann einem da schon zumute werden, denn jetzt sind die Weichen gestellt..."

Die richtige Arbeit für die "Heckengärtner" fängt aber damit erst an. So mußten die Gestrüpphaufen zu einer vier Meter breiten und etwa anderthalb Meter hohen Gestrüppbarriere aufgeschichtet werden. Da sich die Gruppe nicht nur auf den "Plumskloeffekt" der Vögel verlassen wollte, pflanzte sie in die Mitte des Gestrüpps kleinere Sträucher und Bäume. Ungünstigerweise stand ihnen sehr kleines Material zur Verfügung; deshalb schützten sie die gepflanzten Sträucher und Bäume mit einem zusätzlichen Holzgestell. Es verhinderte, daß das Reisig die Pflanzen zerdrückte und hielt außerdem die notwendigen Hohlräume für das Wachstum offen.

Bis zum Frühjahr 1995 wurden so ca 200 Meter Hecke angelegt. Schaut man sich jetzt die Benjeshecke an, so sind die ersten Erfolge sichtbar. Die ersten Holunderbüsche überragen bereits das Gestrüpp; und Ahorn, Esche und Haselnußbäumchen stecken ihre ersten Äste durch. Eine Vielzahl Vögel hat sich auch schon eingefunden, darunter so seltene Gäste wie der Neuntöter und die Goldammer. Die letzten verbliebenen 150 Meter Hecke will die Naturschutzgruppe noch in diesem Spätherbst oder im kommenden Frühjahr anlegen. 

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