Zum Lebensraum des Monats September hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Zwergstrauchheide erklärt.
Diese umfaßt baumfreie oder von lockerem Strauch- und Baumbestand durchsetzte Flächen trockener bis mäßig feuchter Standorte, welche von Zwergsträuchern, insbesondere Heidekrautgewächsen und Besenginster geprägt sein können.
Oft handelt es sich bei diesen Lebensräumen um anthropogene Ersatzgesellschaften von Wäldern, die vor allem durch extensive Beweidung, Brand, aber auch durch Brachfallen von Magerwiesen oder infolge der Sukzession auf beispielsweise militärischen Übungsflächen entstanden sind.
Gemäß § 18 des Vorläufigen Thüringer Naturschutzgesetzes geschützt sind alle Bestände ab 100 Quadratmeter Fläche und einer Mindestbreite von 3 Metern. Als typische Pflanzenarten können neben Heidekraut und Besenginster auch Heidelbeere, Krähenbeere, Glocken-Heide, Bärlapp-Arten, Rauschbeere und für Borstgrasrasen sowie Trocken- und Halbtrockenrasen typische Arten vorkommen.
Geschützte Heidelandschaften, zu denen neben der Zwergstrauch- auch die Wacholderheide zählt, gehören zu den letzten Refugien des akut vom Aussterben bedrohten Birkhuhnes. Als weitere typische Tierarten können hier beispielsweise Goldammer, Heidelerche, Ziegenmelker, Waldeidechse, Kreuzotter, Blindschleiche, Heide-Grashüpfer und Heide-Blattkäfer vorkommen.
Beispiel: Mosewald in Eisenach
Eine sehr schöne Zwergstrauchheide kann man in Eisenach am Ostrand des Mosewaldes bewundern. Hier kommen auf saurem Boden neben dem rotviolett leuchtenden "Echten Heidekraut" (Calluna vulgaris) z.B. auch Heidelbeere, Drahtschmiele und Rasenschmiele vor. Eine Vielzahl Insektengruppen, unter anderem viele Käfer, Schmetterlinge, Wildbienen- und Schwebfliegenarten, werden vom Heidekraut geradezu magisch angezogen.
Die ansehnliche Heide hat sich in den letzten Jahren durch Sukzession auf einem ehemaligen Schießübungsplatz entwickelt. Vom Übungsbetrieb zu DDR-Zeiten zeugen noch einige Rudimente, z.B. aus der Erde ragende Elektrokabel, Lichtmasten, verfallene Betonbauten und eine noch gut erhaltene Schießbahn in der Nähe der Kleingartenanlage "Erika". Das Gelände wurde nach der Wende von unverbesserlichen "Zeitgenossen" zum Teil als wilde Müllkippe, Autoschrottplatz und Rummelplatz für Vandalen mißbraucht und später unter der Regie des Umweltamtes wieder beräumt.
Damit dieser schützenswerte Lebensraum der Nachwelt erhalten bleibt, wird derzeit beim BUND über Pflegemaßnahmen nachgedacht, die noch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises und dem Eigentümer der Fläche abzustimmen sind.
"Wenn man hier der Natur freien Lauf ließe, dann wäre schon in wenigen Jahren kaum noch etwas von der Heide zu sehen. In einigen Jahrzehnten stünde hier ein Birken-Zitterpappelwald und in einigen hundert Jahren ein Buchenwald", so Klaus Fink, Umweltberater beim BUND Thüringen. Ein erster Einsatz im Spätherbst 1996, bei dem ein Teil des Birkenanfluges beseitigt werden soll, erscheint ebenso notwendig wie eine zukünftige Beweidung des Biotopes mit Ziegen.


