Erfurt. Die Mehrheit der Thüringer Bevölkerung lehnt den Bau der Talsperre Leibis ab. Das ergab eine vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) bei der Firma apropro! in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Für die Studie wurden eintausend Thüringer befragt. Nur 37% haben sich für den Bau der Talsperre ausgesprochen, 42% sind dagegen.
„Leibis ist „mega out“!“, stellte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen fest. „Das Ergebnis der Umfrage ist eindeutig und eine klare Abfuhr an die Trinkwasserpolitik der Landesregierung“.
Die Befragten haben sich nach Angaben des BUND Thüringen nicht nur mehrheitlich gegen Leibis ausgesprochen, 58% sind überhaupt gegen den Bau weiterer Talsperren in Thüringen. Die Umfrage zeige nach Ansicht von Vogel, dass die Thüringer stattdessen Alternativen befürworten, um die Trinkwasserversorgung dauerhaft sicher zu stellen. So haben sich 83% für einen sparsamen Umgang mit Trinkwasser im persönlichen Bereich ausgesprochen, Fast 82 % sind dafür, undichte Rohrleitungen zu modernisieren und damit die Wasserverluste wirksam einzudämmen! Für eine Überleitung von Trinkwasser aus Wasserüberschussgebieten haben sich sogar 89% der Befragten ausgesprochen.
„Die Thüringer haben offensichtlich kein Verständnis dafür, dass mit Millionenaufwand eine neue Talsperre im Thüringer Wald gebaut werden soll, während gleichzeitig das Trinkwasser in maroden Rohrleitungen versickert und die Fernwasserzweckverbände in anderen Regionen Thüringens nicht wissen wohin mit ihren Wasserüberschüssen“, erklärte Wigbert Schorcht, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen.
Nach Berechnungen des BUND gibt es allein im Fernwasserbund Nordthüringen täglich einen Wasserüberschuss von 80 Tm³. Der Bau einer Überleitung nach Ostthüringen würde nur etwa ein Zehntel der Investitionen erfordern, die für den Bau der Talsperre notwendig sind. Darüber hinaus gingen gegenwärtig 40% des Trinkwassers in Thüringen durch defekte Rohrleitungen verloren. Die Sanierung des Rohrleitungsnetzes sei nicht nur aus ökonomischen Gründen sinnvoll. Sie sei auch eine Voraussetzung für die Bereitstellung qualitativ einwandfreien Trinkwassers.
Für den BUND ist es logisch, dass unter diesen Umständen 94% erhöhte Wassergebühren ablehnen. Die Erhöhung wäre auch nach Angaben der Thüringer Landesregierung notwendig, um den Bau der Talsperre zu finanzieren. Die große Mehrheit der Thüringer Bevölkerung (84%) fordere stattdessen, den sparsamen Umgang mit Trinkwasser staatlich zu fördern.
Der BUND Thüringen sieht sich durch die Umfrage in seinem Widerstand gegen die Talsperre Leibis bestätigt. Der Nutzen der künftigen Talsperre rechtfertige nach Ansicht von Wigben Schorcht nicht die massiven Zerstörungen im Lichtetal und die nachhaltigen Eingriffe in das Ökosystem von Lichte und Schwarza. „Leibis ist überflüssig, zu teuer, landschaftszerstörend und von der Bevölkerung nicht gewollt. Es wird Zeit, dass die Landesregierung endlich reagiert und im Lichtetal die Notbremse zieht“, forderte Schorcht.


