Mit Anti-Dosen-Bier der Marke "Dr. Sklenars" gegen die Dosenflut

16. Juli 1996 | Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

BUND-Aktion gegen Verschlimmbesserung der Verpackungsverordnung

Eisenach. "Prost! Daß es nütze und uns stärkt im Kampf gegen die Einwegflut." Mit diesem Trinkspruch übergab heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, zehn Mehrweg-Bierkästen, gefüllt mit BUND-"Anti-Dosen-Bier" der Marke "Dr. Sklenars", dem Thüringer Umweltminister.

Mit dieser Aktion vor dem Ministerium wolle der BUND an den Minister appellieren, sich gegen die Dosenflut in Thüringen einzusetzen und der Verschlimmbesserung der Verpackungsordnung einen Riegel vorzuschieben.

Die Novelle der Verpackungsverordnung sehe vor, die heute gültigen Zwangsmaßnahmen beim Unterschreiten der Mehrwegquote entfallen zu lassen. Die Menge der Ex- und Hopp-Verpackungen könne dann ungebremst wachsen. "Wenn die Bierdosenproduktion weiter boomt und Mehrweg an Marktanteilen verliert, müssen die Bundesländer in Zukunft noch nicht einmal reagieren; die heute noch vorgesehene Rücknahme- und Pfandpflicht für Einweg wird entsorgt", erklärte Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen.

Neueste Zahlen der "Gesellschaft für Konsumforschung" (GfK) ließen befürchten, daß die in der Verpackungsverordnung vorgeschriebene Mindest-Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen von 72 Prozent bereits unterschritten wird. "Die Zeit der Appelle an Industrie und Handel sei damit endgültig vorbei. Auch Selbstverpflichtungen der Wirtschaft führten - wie die Erfahrung gezeigt hat - nicht zum Ziel. Die Politik muß handeln. Wir brauchen Regelungen, die ökologisch sinnvolle Mehrwegsysteme bei Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränken sichern, optimieren und ausbauen", so Beck weiter. Die Einführung einer Einweg-Steuer wäre ein erster Schritt hin zu ökologisch gerechteren Preisen. Die Europäische Verpackungsverordnung nenne ausdrücklich ökonomische Instrumente wie Steuern oder Abgaben als geeignete Mittel zur Förderung der Abfallvermeidung. Der BUND-Landesvorsitzende appellierte an Dr. Sklenar, die für diesen Sommer absehbaren neuen Werbe- und Absatzrekorde für Dosen-Getränke nicht tatenlos hinzunehmen.

"Es ist Sache des Ministers, eben 'Sklenars Bier', sich für ein 'NEIN' Thüringens im Bundesrat gegen diese Novelle der Verpackungsverordnung stark zu machen. Wir erwarten außerdem, daß der Minister für ein dosenfreies Thüringen wirbt. Zudem kann er Gemeinden ermutigen und stärken, eine kommunale Einwegsteuer einzuführen. Auch sollten Unternehmen unterstützt werden, die Standardmehrwgkästen einführen wollen."

Der BUND hält es für einen Skandal, daß ökologisch bewußte Mehrweg-Genießer bis zu 55 Mark pro Jahr mehr für Bier bezahlen müssen als die Ex- und Hopp-Dosen-Trinker. Eine Unterstützung des Mehrwegsystems beim Bier komme übrigens nicht nur der Umwelt und den Bier-Genießern zugute: "Auf diese Weise können auch viele hochwertige Arbeitsplätze in den regionalen Brauereien gesichert werden, die sonst ebenfalls in der Dosenschwemme weniger marktbeherrschender Firmen untergehen", so Beck wörtlich. 

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