„Moore schützen durch Verzicht auf Torf“

21. April 1999 | Naturschutz, Lebensräume, Nachhaltigkeit

BUND-Appell an Verbraucher zum Tag der Erde morgen/ Düngewirkung von Torf ein „Ammenmärchen“/ Boden mit Kompost verbessern / Noch knapp 7 Prozent früherer deutscher Moore naturnah

Gartenfreunde und Balkonpflanzen-Liebhaber sollten auf Torf als Mutterboden-Zusatz verzichten und stattdessen möglichst selbst erzeugten Kompost einsetzen. Dazu ruft der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Thüringen (BUND Thüringen) zum Tag der Erde am kommenden Donnerstag aus Sorge um die europaweit rapide schwindenden Moore auf.

„Allein aus deutschen Hochmooren landen hierzulande Jahr für Jahr rund 7,2 Millionen Kubikmeter Torf in Garten, Blumenkästen und in Pflanzenzucht-Betrieben; Weitere 1,8 Millionen Kubikmeter werden zu Torfkoks, Torfaktivkohle oder zu medizinisch eingesetztem Badetorf verarbeitet. Von unseren ehemals 9000 Quadratkilometer bedeckten Natur-Mooren sind heute nur noch 600 naturnah erhalten, also weniger als sieben Prozent“, sagte Frank Henkel, Stellvertretender Vorsitzende des BUND Thüringen.

„Es ist ein Ammenmärchen, daß Torf in guter Dünger sei und Gartenböden auf Dauer verbessere. Die düngende Wirkung ist sehr gering, weshalb Torf im Erwerbsgartenbau gezielt mit Nährstoffen angereichert wird. Zudem versauert Torf die Gartenboden“, fügte der BUND-Experte hinzu. Besser, billiger und naturverträglicher sei Kompost, wie er in Gärten und Grünanlagen ohnehin anfalle. Mit geringem Aufwand und etwas Geschick lasse sich so der perfekte Bodenverbesserer selber herstellen.

Umweltbewußten Verbrauchern riet der BUND-Experte, auch auf Komposttorf-Gemische zu verzichten, wie sie in Garten-Centern angeboten werden; wenigstens aber sollten Hobby- Gärtner den auf der Verpackung aufgedruckten Torf-Gehalt beachten: „Je mehr Torf drin steckt, umso mehr Moor ist praktisch dahin.“ Zwar begegne die Torf-Industrie Umweltbedenken, indem sie auf das natürliche Nachwachsen von Torfmoosen verweist. „Doch die jetzt geplünderten Moore sind vor 10-20.000 Jahren in der Spät- und Nacheiszeit entstanden. Sie wachsen pro Jahr nur um 0,5 bis 1 Millimeter nach und benötigen mindestens einige hundert Jahre, um sich halbwegs zu regenerieren.“ Nach Ansicht des BUND dürfe Torf nur noch in möglichst nachhaltiger Form zu medizinischen Zwecken (Badetorf) abgebaut werden - in kleinen, von Bauern genutzten Torfstichen.

Bereits 95 Prozent der deutschen Niedermoore seien durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung überformt. In den Hochmooren der Bundesrepublik würden jährlich rund sechs Millionen Kubikmeter Schwarztorf und drei Millionen Kubikmeter schwächer zersetzten Weißtorfs abgebaut, zu 90 Prozent im sehr moorreichen Niedersachsen. „Das Abtorfen zerstört nach und nach auch die letzten Standorte von Tier- und Pflanzenarten, die auf Moore spezialisiert sind“, beklagte Frank Henkel. Darunter seien sehr selten gewordene Gewächse wie das Schmalblättrige Wollgras und der Rundblättrige Sonnentau, viele Libellenarten wie die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfer, Schmetterlinge wie der in Niedersachsen bereits ausgestorbene Hochmoorgelbling oder die fast ausgerottete Kreuzotter. 

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