BUND Thüringen beschließt auf Landesversammlung politischen Leitantrag und fordert Kurswechsel in der Umweltpolitik
Der BUND Thüringen hat auf seiner heutigen Landesversammlung am 09.05.2026 in Erfurt seinen umweltpolitischen Leitantrag beschlossen. Darin formuliert der Verband seine Schwerpunkte und Forderungen für das kommende Jahr und warnt zugleich vor massiven politischen Rückschritten beim Schutz natürlicher Lebensgrundlagen auf Europa-, Bundes- und Landesebene.
„Wir erleben derzeit einen beispiellosen Roll-back im Natur-, Klima- und Umweltschutz“, erklärt Dr. Burkhard Vogel, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Während die Folgen der Klimakrise immer deutlicher sichtbar werden, geraten Umweltstandards, Klimaschutz und Beteiligungsrechte zunehmend unter Druck.“
Nach Einschätzung des BUND Thüringen zeigen sich diese Entwicklungen auf allen politischen Ebenen. Der Verband kritisiert insbesondere die Aufweichung von Umweltstandards auf EU-Ebene sowie Rückschritte bei Energiewende, Flächenschutz und nachhaltiger Mobilität auf Bundesebene. Gleichzeitig werden Beteiligungsrechte unter dem Schlagwort der Planungsbeschleunigung geschwächt und das Engagement von Umweltverbänden zunehmend infrage gestellt.
Auch in Thüringen verlieren Natur-, Umwelt- und Klimaschutz zunehmend an politischem Gewicht. Der Verband kritisiert Mittelkürzungen im Naturschutz, die Rückabwicklung des Klimaschutzes sowie Eingriffe in den Artenschutz. So wird beispielsweise unter dem fragwürdigen Vorwand des Fischartenschutzes der Kormoran zum Abschuss freigegeben. Geld wird freiwillig aus einem überzeichneten Fördertopf zur Landwirtschaft geschoben und „Entlastungsgesetze“ entlasten vor allem die Wirtschaft, nicht unsere Natur.
„Der BUND Thüringen wird auch im kommenden Jahr die Stimme für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sein. Wir werden nicht nur Errungenschaften für den Natur- und Umweltschutz verteidigen, sondern uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass sich Politik den Herausforderungen unserer Zeit stellt – von der überfälligen Fortschreibung der Klimaschutzstrategie bis hin zur ausreichenden Finanzierung von Naturschutzprojekten. Natur und Umwelt dürfen nicht wirtschaftlichen Einzelinteressen geopfert werden. Mit 6.800 Mitgliedern sind wir Teil einer starken Zivilgesellschaft, die sich für ein lebenswertes, sicheres und zukunftsfähiges Thüringen einsetzt. Wir sind Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung übernehmen und die gehört werden wollen und gehört werden müssen“, sagt Vogel.
Zu den zentralen Forderungen des Leitantrags gehören:
- eine verlässliche Finanzierung der Natura 2000-Stationen und des praktischen Naturschutzes
- der Abbau von Fördermittelbürokratie für Verbände und Ehrenamtliche
- die langfristige Absicherung von Umweltbildung und der Förderung zertifizierter BNE-Einrichtungen über 2027 hinaus
- Recycling und Kreislaufwirtschaft statt weiterem Naturgipsabbau
- eine naturverträgliche Energiewende mit stärkerer Bürgerbeteiligung
- die unverzügliche Fortschreibung der Thüringer Klimaschutzstrategie mit konkreten Maßnahmen, Zuständigkeiten, Zeitplänen und Finanzierungswegen
- der Schutz demokratischer Beteiligungs- und Klagerechte
Gleichzeitig zeigt die Arbeit des BUND Thüringen, dass erfolgreicher Natur- und Umweltschutz trotz schwieriger Rahmenbedingungen möglich ist. So konnten im Jahr 2025 unter anderem wichtige Fortschritte bei der Biotopvernetzung am Grünen Band erzielt sowie weitere Probebohrungen im Südharzer Gipskarst verhindert werden. Auch das Luchsprojekt im Thüringer Wald entwickelt sich erfolgreich: Erstmals gibt es Nachwuchs im Thüringer Wald – ein starkes Signal für die Rückkehr der einst verschwundenen Art. Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt zudem das Grüne Band durch die Auszeichnung mit der „Goldenen Henne“.
„Unsere Ehrenamtlichen und Aktiven sichern tagtäglich Lebensräume, pflanzen Bäume, schützen Arten und gestalten konkrete Lösungen für eine lebenswerte Zukunft“, so Vogel. „Naturschutz ist kein Bremsklotz – er ist Voraussetzung für Sicherheit, Lebensqualität und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit.“
Der BUND Thüringen kündigte zudem an, sich gemeinsam mit dem Bündnis „Zusammenstehen – vielfältig, solidarisch, weltoffen“ und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren anlässlich des AfD-Parteitages am 4. Juli 2026 in Erfurt öffentlich für eine weltoffene, lebenswerte und nachhaltige Gesellschaft in Thüringen einzusetzen.
„Die Herausforderungen werden nicht kleiner – aber auch die Möglichkeiten, ihnen zu begegnen, wachsen. Mit starken Projekten, engagierten Ehrenamtlichen und einer klaren Stimme in der politischen Debatte wird der BUND Thüringen auch weiterhin seinen Beitrag leisten“, schließt Vogel.
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Bildunterschrift: Mitglieder des BUND Thüringen auf der Landesversammlung des Umweltverbandes in Erfurt.
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