Naturschutz & Erinnerungskultur als Vorbild: Koreanische Delegation besucht Grünes Band in Thüringen

20. November 2025 | Grünes Band

 (Ara Go)

Erfurt, Ifta, Sickenberg. Eine Delegation aus dem südkoreanischen Ministerium für Vereinigung besuchte am gestrigen 19. November gemeinsam mit dem BUND Thüringen das Grüne Band bei Ifta und Sickenberg für einen Informationsaustausch und wertvolle Einblicke in die dort gelebte Erinnerungskultur.

“Wir wollen vom ehemals geteilten Deutschland lernen, wie man aus einer streng militärisch gesicherten Todeszone eine verbindende Region des Friedens und der Ökologie entwickeln kann“, so Delegationsleiter Seoul Ryeol Park vom südkoreanischen Ministerium für Vereinigung

„Der Austausch über Natur und Geschichte der beiden Grenzregionen ist sehr wertvoll. Beide können nicht ohneeinander gedacht werden – gerade vor dem Hintergrund der Nominierung des Grünen Bands als UNESCO Welterbe. Auch das ist eine Vision Koreas für eine mögliche Friedenszone an ihrer noch bestehenden Grenze“, betont Dr. Peter Wurschi, Thüringer Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen der koreanischen Demilitarisierten Zone (DMZ) und dem deutschen Grünen Band. Der wesentliche Unterschied: Seit dem Koreakrieg vor mehr als siebzig Jahren sind die Menschen immer noch durch eine fast unüberwindbare Grenze voneinander getrennt und leben in verschiedenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Systemen. Mittlerweile gibt es nur noch wenige, inzwischen sehr alte, Menschen, die sich an die Zeit vor der Trennung erinnern können. Anders als in Deutschland erstreckt sich der nicht betretbare Streifen in Korea auf beiden Seiten der Grenzlinie über 2 Kilometer.

Die Hoffnung auf eine Annäherung, vielleicht sogar eine Vereinigung, und das Beispiel des Grünen Bandes in Europa haben bereits seit 20 Jahren immer wieder verschiedene südkoreanische Akteure nach Deutschland geführt. Anders als in Deutschland, das vom Erfolg der friedlichen Revolution selbst überrascht war, möchten die koreanischen Verantwortlichen vorbereitet sein. So werden in Südkorea die deutsch-deutsche Annäherung und die Entwicklung des Grünen Bandes genau analysiert und es werden Strategien erarbeitet, um aus einem stark bewachten Todesstreifen eine ökologisch wertvolle Friedenszone zu schaffen, in der auch nachhaltige Regionalentwicklung ihren Platz hat.

Die Veranstaltung am 19. November startete mit einer Konferenz in Erfurt mit Vorträgen aus beiden Regionen, bevor gemeinsam das Denkmal BAUMKREUZ und das Grenzmuseum Schifflersgrund bereist wurden. Viele Aspekte wurden gemeinsam beleuchtet: von den Auswirkungen der Teilung und der Entwicklung des Grünen Bandes für die Grenzbewohnenden, der Kooperation von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, bis hin zu konkreten Fragen, wie man mit den Relikten der Grenze umgehen sollte und mit welchen Konzepten der BUND junge Menschen für Natur und Geschichte begeistert. Der Umgang mit Landschaftsveränderungen in Zeiten des Klimawandels war ebenso ein Thema, wie das System der Gebietsbetreuer am Grünen Band.

„Der Umgang mit den Grenzgebieten ist ein hochemotionales Thema“, so Karin Kowol, Projektleiterin Grünes Band des BUND Thüringen. „Es bietet die Chance, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen, Menschen zusammenzubringen und gemeinsam mit allen Akteuren eine friedliche Zukunft zu gestalten. Dazu braucht es den intensiven wertschätzenden und konstruktiven Dialog.“

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Bildunterschrift: Eine Delegation des südkoreanischen Ministeriums für Vereinigung besucht das Grüne Band in Thüringen.
Copyright: Ara Go

Pressekontakt:

Anne Werner | Kerstin Neumann, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 361 5550314; Mobil: 0176 13338564 oder 0176 13338510, presse(at)bund-thueringen.de

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