Neue Bevölkerungsstatistik widerlegt Leibis-Planung

14. Juli 1999 | Naturschutz, Flüsse & Gewässer

BUND Thüringen sieht Bedenken gegen das Projekt bestätigt

Erfurt. Der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht sich in seinen Bedenken gegen die Talsperre Leibis durch die jüngsten amtlichen Schätzungen der Europäischen Union zur Bevölkerungsentwicklung bestätigt. Nach Angaben von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, wird die Bevölkerung Thüringens bis zum Jahr 2025 deutlich zurückgehen. Gegenüber dem Jahr 1995 werde sich der Bevölkerungsrückgang in diesem Zeitraum auf voraussichtlich 15 Prozent belaufen. „Mit diesen aktuellen Prognosen werden die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zur Talsperre Leibis als Planrechtfertigung zugrunde gelegten Daten nun auch amtlicherseits widerlegt“, kommentiert Michael Spielmann, Landesvorstandsmitglied des BUND Thüringen, die neueste Entwicklung. Der BUND sehe sich damit in seinen Bedenken gegen das Großprojekt bestätigt und erwarte, daß dies auch Auswirkungen im laufenden Verwaltungsgerichtsverfahren haben werde.

Im Gegensatz zu dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Eurostat-Bericht „Regionaler Bevölkerungsrückgang in der EU: Jüngste Trends und künftige Perspektiven“ hatte die Thüringer Landesanstalt für Umwelt in ihrem ,,Bericht: Zweite Prognose Trinkwasserbilanz des Freistaates Thüringen“ von 1998, einen wesentlich geringeren Bevölkerungsrückgang prognostiziert. In einem als „wahrscheinlich“ dargestellten Szenarium würden im Jahr 2015 rund 2.391.000 Menschen in Thüringen leben, 12 Prozent mehr als nun von der EU prognostiziert. Der BUND hatte diese Angaben zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung als ein wesentliches Argument zur Begründung eines Weiterbaus der Talsperre Leibis bereits im Genehmigungsverfahren kritisiert und dies auch zum Bestandteil seiner Klage gegen den Planfeststellungsbeschluß gemacht. Nach Angaben von Spielmann liegen die Euro-Statistiker sehr nahe an den Trendrechnungen, die bereits 1998 im Auftrag des BUND Thüringen angefertigt und im Planfeststellungsverfahren vorgelegt worden seien. 

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