Als hoffnungsvolles Signal für ökologische und ökonomische Vernunft in der Bahnpolitik und Gewinn für das bestehende Bahnnetz in Bayern, Thüringen und Sachsen bewertet der BUND die neue Investitionsstrategie Netz 21 und das Aus für die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt. Der Beschluß, die bestehende Strecke Nürnberg-Lichtenfels-Saalfeld—Berlin und die Sachsen-Franken-Magistrale für ICE mit Neigetechnik auszubauen ist ein erster, wichtiger Schritt für das vom BUND und Bürgerinitiativen vorgeschlagene "Bessere Bahnkonzept". Diese mutige Entscheidung von Verkehrsminister Franz Müntefering und Bahnchef Johannes Ludewig eröffnet der gesamten Region eine bessere Bahnzukunft, wenn die Vorschläge für einen attraktiven Ausbau des Gesamtnetzes schnell umgesetzt werden.
In einer vom Bund Naturschutz mit in Auftrag gegebenen "Untersuchung der Notwendigkeit von Ausbau-/Neubaumalinahmen im Eisenbahnverkehr zwischen Bayern und Thüringen/Sachsen" wurde schon im Jahr 1993 dieses Alternativkonzepts wissenschaftlich untersucht und seine Machbarkeit in Bezug auf Kapazität im Personen und Güterverkehr, Streckenführung, Kosten, Fahrplangestaltung/Taktverkehr und Erschließungsfunktion nachgewiesen. Das Alternativkonzept setzt auf den konsequenten Ausbau/Lückenschluß mit Kurvenbegradigungen und kurzen Neubauabschnitten, Elektrifizierung, Beschleunigung und Einsatz von modernen ICE mit Neigetechnik auf den bestehenden Hauptlinien
- Nürnberg-Lichtenfels-Saalfeld-Jena-Berlin
- Nürnberg-Bayreuth-Hof-Plauen-Berlin 1
- München-Regensburg-Hof-Leipzig-Berlin
- Stuttgart-Würzburg-Suhl-Erfurt-Berlin
- Coburg-Hildburghausen-Suhl-Erfurt
Bei einem Investitionsvolumen von 5.500 Millionen Mark bei einer Gesamtlange aller Baumaßnahmen von 900 km würde für den Fern-, Regional- und Nahverkehr in Nordbayern und Thüringen und Sachsen ein attraktiver "Integraler Taktfahrplan" möglich.
Bei den Reisegeschwindigkeiten würden sich erhebliche Verbesserungen ergeben: Die derzeitige Fahrtzeit von Nürnberg über Saalfeld nach Berlin würde von fünf Stunden und 20 Minuten auf unter vier Stunden verkürzt, obwohl außer Erfurt und Halle/Leipzig auch Zentren wie Erlangen, Bamberg, Coburg, Saalfeld und Jena angebunden würden. Die Fahrzeit auf der aufgegebenen ICE-Neubaustrecke war von der Bahn AG mit ca. drei Stunden angegeben worden.
Für Nordostoberfranken und den Südthüringer Raum wurden unter Berücksichtigung des kurzen in Bau befindlichen Neubaustreckenabschnitts zwischen Erfurt und Traßdorf im Auftrag der Bürgerinitiative "Das bessere Bahnkonzept" detaillierte Planungen von der VIEREGG-RÖSSLER-BOHM GmbH im März 1999 vorgelegt. Sie ermöglichen bei Baukosten von 1,9 Milliarden Mark ein attraktives Fernverkehrsangebot mit Fahrtzeiten z.B. zwischen Erfurt und Nürnberg von einer Stunde und 35 Minuten oder Suhl und Coburg 19 Minuten. Suhl und Lichtenfels würden Knotenbahnhöfe für einen integralen regionalen Taktverkehr.
Der BUND Thüringen und Bund Naturschutz fordern daher:
- Beschleunigter Ausbau der ICE Strecke Berlin —Saalfeld-Leipzig- Nürnberg für ICE mit Neigetechnik. Prüfung von kurzen Neubau- und Tunnelabschnitten zur Kurvenbegradigung vor Probstzella und Saalfeld.
- Hildburghausen, Suhl und Coburg sind mit dem Ausbau der Strecke Rodach-Coburg-Lichtenfels und kurzen Ausbau-/Neubauabschnitten zwischen Suhl-Traßdorf-Themar-Rodach in das Fernverkehrsnetz einzubinden und für den Neigetechnik-ICE auszulegen.
- Für die Durchsetzung dieser offensiven Ausbaustrategie sind die Planfeststellungsbeschlüsse für die alte Planung aufzuheben.
- Die Thüringer Waldautobahn A71/A73, die teuerste verkehrspolitische Todsünde Deutschlands muß zugunsten intelligenter regionaler Straßenausbaulösungen mit Ortsumfahrungen aufgegeben werden, damit die Bahn nicht zusätzlich konkurriert wird.
Der BUND hat zusammen mit der Bürgerinitiative "Das Bessere Bahnkonzept" vor sieben Jahren die erste Geheimplanung des damaligen Verkehrsministers Günther Krause für die ICE-Neubaustrecke veröffentlicht. Seither wurden fast eine halbe Million Mark und tausende Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die Ausarbeitung und Durchsetzung der Alternativen aufgewandt. Obwohl die Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht unter Verweis auf die politische Bedarfsfestlegung gescheitert waren, war der Widerstand in der Region ungebrochen und hat zum Erfolg geführt.
An den Thüringer Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, den Wirtschaftsminister Franz Schuster und die CDU appelliert der BUND, ihre Blockadehaltung gegen die neue Bahnpolitik aufzugeben. Die Landesregierung sollte im Interesse Thüringens und Nordbayerns die Entscheidung der Bundesregierung akzeptieren und in einer Allianz mit allen zukunftsorientierten Kräften länderübergreifend für das bessere Bahnkonzept eintreten.


