Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen verweist auf den Anstieg der Ozonkonzentration durch die hohen Temperaturen in der letzten Woche und warnt vor den wachsenden Gefahren bei längerem Aufenthalt im Freien.
Vielerorts in Thüringen kletterten in den vergangenen Tagen die Ozonwerte auf bis zu 209 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft. 180 Mikrogramm ist der auf Bundes- und Europaebene gültige Informationswert. Der Bevölkerung werden der Situation entsprechende Verhaltensregeln empfohlen, unter anderem im Haus zu bleiben und keine körperlich anstrengenden Arbeiten zu verrichten. Hauptverursacher für die erhöhten Ozonwerte ist der weiter zunehmende Kfz-Verkehr.
Der BUND Thüringen verlangt von der Landesregierung, sich im Bundesrat für die Herabsetzung der Ozongrenzwerte einzusetzen.
Leidtragende der nachweislich gesundheitsschädigenden Wirkung hoher Ozonwerte sind vor allem Kinder, alte Leute, Allergiker, Asthmatiker und Berufsgruppen, die überwiegend im Freien arbeiten. "Es grenzt schon ans Groteske, wenn Kinder im Haus spielen sollen, während der Verkehr draußen uneingeschränkt weiterfließen darf, als gäbe es keine Luftbelastung", so Michaela Gebhardt, Referentin beim BUND Thüringen. Erste gesundheitsschädigende Wirkungen für den menschlichen Organismus, wie Atembeschwerden, können bereits unter 200 Mikrogramm Ozon auftreten. Aber erst ab 240 Mikrogramm gibt es entsprechend dem Bundesimissionsschutzrecht Einschränkungen im Straßenverkehr. Das bedeutet, daß Fahrzeuge ohne Kat stehen bleiben müssen und für die anderen Tempolimits gültig werden.
Bisher wurde dieser Wert in Thüringen seit Beginn der Messungen 1991 nach Aussagen der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLU) nur im Sommer 1992 erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Grenzwert und daraufhin eine Verkehrseinschränkung zu erreichen, erscheint vor diesem Hintergrund ziemlich gering. "Und falls doch einmal die Grenzwerte hoch genug sind, um das Fahrverbot auszusprechen, wären viele Autofahrer sicher um keine Ausrede verlegen, zu den zahlreichen Ausnahmen zu gehören, denen per Gesetz eine Weiterfahrt zusteht", so Gebhardt.
Deshalb fordert der BUND Thüringen die Landesregierung auf, sich endlich für eine drastische Senkung der Ozonalarmgrenze im Bundesrat stark zu machen. Es ist ein schwerwiegender Irrtum, wenn sich die Landesregierung angesichts der zahlreichen Bedenken aus medizinischer Sicht zur Ozonbelastung der Verantwortung zum Handeln entziehen will.


