"Der Landesverband Thüringen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unterstützt die Initiative der Stadt Gera für eine ICE-Streckenführung über Ostthüringen." Dies erklärte der Geschäftsführer des Verbandes, Michael Spielmann, heute in Eisenach. Der Oberbürgermeister der Stadt Gera, Ralf Rauch, hatte angekündigt, Bundeskanzler Kohl am heutigen Donnerstag 12.000 Unterschriften für einen ICE-Halt in Gera überreichen zu wollen.
"Die Variante über Gera ist wesentlich billiger und umweltverträglicher zu realisieren als die Querung des Thüringer Waldes", so Spielmann. Gegen den von der Thüringer Landesregierung favorisierten Trassenverlauf über Erfurt bestünden von Seiten des BUND dagegen erhebliche Bedenken, da diese mit "nicht ausgleichbaren Natureingriffen im Grünen Herzen Deutschlands" verbunden seien.
Darüber hinaus sei der Streckenverlauf über Erfurt auch aus verkehrlichen und raumordnerischen Gründen abzulehnen. "Auf diese Weise kann weder die beabsichtigte direkte Verbindung Nürnberg-Berlin realisiert werden kann, noch wird der Bevölkerungsdichte des Ballungsraumes Gera/Chemnitz/Zwickau Rechnung getragen", so der BUND. "Es ist ein Skandal, daß sich die Erreichbarkeit der zweitgrößten Stadt Thüringens auf der Schiene in den vergangenen Jahren immer mehr verschlechtert hat, ohne daß dies die verantwortlichen Landespolitiker interessiert", kritisiert Spielmann.
Die höhere Wirtschaftlichkeit einer alternativen Streckenführung durch das Vogtland und Plauen sei bereits 1992 durch ein vom BUND Thüringen in Auftrag gegebenes Gutachten der VIEREGG & RÖSSLER GmbH belegt worden. Zum gleichen Ergebnis kämen inzwischen auch interne Gutachten der Deutschen Bahn.
Kritik übt der BUND Thüringen an der "engstirnigen und egoistischen Haltung" des Erfurter Oberbürgermeisters Manfred Ruge (CDU) in dieser Frage. Dieser hatte ein Ende der Diskussion über die ICE-Strecke gefordert, da diese "beschlossene Sache" sei. "Noch ist in Thüringen kein Meter der ICE-Trasse gebaut. Und Unsinn wird nicht dadurch sinnvoll, daß er konsequent zu Ende gebracht wird", so Spielmann abschließend.


