Tierschutzskandal in Thüringer Schweinezucht – ein politisches und moralisches Alarmsignal

21. Mai 2025 | Massentierhaltung

Pressekommentar

Erneut wird die Öffentlichkeit mit erschütternden Bildern und Informationen über massives Tierleid in einer Schweinezuchtanlage in Thüringen konfrontiert. Die von Tierschutzaktivist*innen dokumentierten Aufnahmen, die MDR Investigativ vorliegen, zeigen mutmaßliche Verstöße gegen geltendes Tierschutzrecht. Diese Vorwürfe müssen nun umfassend durch die zuständigen Behörden sowie das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie geprüft und aufgeklärt werden.

Dieser Fall steht exemplarisch für strukturelle Defizite in der industriellen Tierhaltung, die trotz jahrelanger Diskussionen um Tierwohl und Transparenz weiterhin bestehen. Der BUND Thüringen fordert eine konsequente Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen – ebenso wie ein grundsätzliches politisches Umdenken.

Die neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag zwar vage Verbesserungen im Tierschutz angekündigt – darunter die Förderung von Tierwohlställen und eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung ab August 2025. Doch diese Vorhaben greifen bislang zu kurz: So beschränkt sich die Kennzeichnung lediglich auf den sogenannten produktiven Lebensabschnitt der Tiere. Wichtige Bereiche wie die Aufzucht, der Transport und die Schlachtung bleiben weitgehend unberücksichtigt – obwohl gerade dort Tierschutzprobleme bestehen, wie das aktuelle Beispiel aus Thüringen eindrücklich zeigt.

Besonders enttäuschend ist, dass die fast fertig ausgehandelte Novelle des Tierschutzgesetzes bereits unter der vorherigen Bundesregierung trotz großen Ankündigungen nicht verabschiedet wurde – und nach dem Regierungswechsel nun endgültig fallen gelassen wird. Die Chance auf echte Fortschritte wurde vertan – trotz der im Grundgesetz verankerten Verpflichtung zum Tierschutz und der Einigungen in der Borchardt-Kommission.

Die Gegensätze in der Bewertung von Tierleid könnten kaum größer sein. Das zeigt sich etwa an der aktuellen Debatte um den Schutzstatus des Wolfes, die innerhalb kurzer Zeit zu politischen Reaktionen und Eingriffsforderungen geführt hat. Demgegenüber bleibt beim systematisch dokumentierten Leid in der industriellen Tierhaltung eine vergleichbare Entschlossenheit oft aus. Diese Ungleichbehandlung ist schwer nachvollziehbar und wirft grundsätzliche Fragen nach der Kohärenz und Ernsthaftigkeit unseres gesellschaftlichen Verständnisses von Tierschutz auf.

Der BUND Thüringen fordert deshalb:

  • die Wiedereinführung und zügige Umsetzung einer wirksamen Tierschutzgesetz-Novelle,
  • die Schaffung klarer gesetzlicher Standards auch für den gesamten Lebenszyklus der Tiere,
  • eine deutliche Aufstockung der Kontrollen und der behördlichen Ressourcen im Veterinärbereich,
  • und eine politische Rückbesinnung auf das Staatsziel Tierschutz – nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität.

Tierschutz darf nicht länger als Randthema der Agrarpolitik behandelt werden.

Pressekontakt:

Anne Werner und Kerstin Neumann, Referentinnen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0361 5550314, Mobil: 0176 13338564 oder 0176 13338510, E-Mail: presse(at)bund-thueringen.de

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