Landesverband Thüringen e.V.

Überzogener Straßenbau verschärft die Klimakrise

29. April 2016 | Mobilität

BUND Thüringen fordert Vorrang für Schiene vor Straße beim Bundesverkehrswegeplan

Erfurt. Der BUND Thüringen hält die im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufgelisteten Straßenbauprojekte für Thüringen überwiegend für Fehlplanungen. In seiner Stellungnahme kritisiert der Verband überdimensionierte und überteuerte Straßengroßprojekte, welche zu Lasten des klimaschonenden Schienenverkehrs umgesetzt werden sollen.

"In Thüringen wird die Zukunft der Mobilität unter Beton und Asphalt begraben, wenn sich die Straßenbaulobby mit diesem Entwurf durchsetzt", sagte Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. "Die Streichung der Mitte-Deutschland-Bahn aus dem vordringlichen Bedarf kann den Ausbau und die Elektrifizierung der wichtigsten Bahnverbindung in Thüringen um Jahrzehnte zurückwerfen".

Auch der Verzicht auf die Aufnahme der Elektrifizierung der Bahnstrecke Erfurt-Göttingen zwischen Gotha und Leinefelde trägt nach Einschätzung von Hoffmann die Handschrift der Asphaltfraktion in der Verkehrsplanung, Durch die vollständige Elektrifizierung könnte die Schienenanbindung von Erfurt nach Göttingen und an das norddeutsche ICE-Hochgeschwindigkeitsnetz auf dieser wichtigen Pendlerstrecke deutlich verbessert werden. Stattdessen sei der teilweise vierspurige Bau von fünf Ortsumgehungen entlang der B 247 parallel zur Schienenverbindung vorgesehen.

Für Hoffmann sind die meisten der 38 Straßenbauvorhaben im vordringlichen Bedarf für Thüringen in ihrer Dimension völlig überzogen und verkehrspolitisch fragwürdig. Hierzu gehöre auch der geplante Ausbau der B7 zwischen Mönchenholzhausen und Weimar. Die bereits gut ausgebaute Bundesstraße solle in diesem Bereich vierspurig ausgebaut werden, obwohl parallel zu der Trasse in ca. 2 km Entfernung die sechsspurige Autobahn A 4 verläuft. Durch den vierspurigen Ausbau der B7 in diesem Abschnitt werde zusätzlicher Parallelverkehr erzeugt. In der Alternativenprüfung sei die Funktion der Autobahn A4 zur Aufnahme des Verkehrs in diesem Bereich nicht berücksichtigt worden.

Der "Vordringliche Bedarf" enthalte nach Angaben des BUND Thüringen eine Projektflut für Straßen, welche selbst gemäß der Investitionsplanung des Bundesverkehrswegeplan-Entwurfs völlig unterfinanziert sei. Die Schienennetzplanung sei dagegen unbrauchbar. Neben dem Ausbau der Mitte-Deutschland-Bahn und der vollständigen Elektrifizierung der Bahnstrecke Erfurt-Göttingen fehle auch der Lückenschluss für die Werra-Bahn, um Südthüringen an den ICE-Halt in Coburg anzubinden. Damit offenbare der Bundesverkehrswegeplan auch das Versagen des Thüringer Verkehrsministeriums, welches überproportional viele Straßenbauprojekte angemeldet habe und immer noch an verstaubten Verkehrswege-Plänen des letzten Jahrhunderts festhalte.

"Klimaschutz im Verkehrssektor gelingt nur durch die Verlagerung des Straßenverkehrs auf die Schiene. Der jetzige Entwurf des Bundesverkehrswegeplans erreicht das genaue Gegenteil", sagte Hoffmann. "Thüringen muss jetzt die Verkehrsplanung des 21. Jahrhundert auf den Weg bringen. Ministerin Keller muss sich für Klimaschutz und Verkehrsvermeidung einzusetzen, statt überflüssige Projekte auf Kosten der Steuerzahler durchzusetzen."

   

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