Umweltverbände begrüßen Einführung der Erfurter Umweltzone – Zusätzliche Maßnahmen müssen schnellstmöglich umgesetzt werden

28. September 2012 | Wälder

Erfurt. Die Einführung der Umweltzone in Erfurt ist ein erster, guter Schritt um die Luftqualität in Thüringen zu verbessern. Zu diesem Schluss kamen die Vertreter von Umweltverbänden heute im Rahmen einer Pressekonferenz der Kampagne “Rußfrei fürs Klima“, die sich für eine Reduzierung von Dieselruß, einem Bestandteil des Feinstaubs, einsetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) forderten die konsequente Umsetzung und Überprüfung der Erfurter Umweltzone, aber auch die Schaffung von weiteren Umweltzonen in Mühlhausen und Weimar. Darüber hinaus wurde eine Verbesserung der Alternativen zum Auto angemahnt.
In der Erfurter Politik und Wirtschaft ist sie nach wie vor umstritten, Kritiker zweifeln ihre Wirksamkeit weiterhin an und das, obwohl zahlreiche Messungen, Untersuchungen und auch Gerichtsurteile diese immer wieder bestätigt haben: Die Umweltzone. Von den Umweltverbänden zur Verbesserung der Luftqualität schon seit Jahren gefordert, kann sie aber nur ein erster Schritt sein, um die Beeinträchtigungen der Bürger durch schlechte Luft zu mindern. Maßnahmen zu einer generellen Abnahme des motorisierten Individualverkehrs müssen in ganz Thüringen schnellstens folgen.

Dr. Burkhard Vogel, Geschäftsführer des BUND Thüringen, sieht die Arbeit der Umweltverbände bestätigt: „Die erste Umweltzone in Thüringen ist nun endlich Realität, zum Nutzen der Bürger und der Umwelt. Jetzt müssen weitere in Weimar und Mühlhausen folgen.“ Schließlich gehört Mühlhausen mit 56 Überschreitungstagen im letzten Jahr zu den Top 10 der deutschen Feinstaubhochburgen. Dass die Thüringer Landespolitik die Umweltzone in Erfurt auch gegen den entschiedenen Widerstand der Stadt eingeführt hat, sieht Vogel als gutes Omen. „Seit Jahren war klar, die Umweltzone in Erfurt ist unumgänglich. Jetzt ist es an der Stadt, sie zu einem Erfolg zu machen,“ so Vogel.
Auch Dr. Axel Friedrich, internationaler Verkehrsberater, kann die negative Grundhaltung der Stadt Erfurt nicht verstehen. Dass eine konsequent umgesetzte Umweltzone wirke, belegten eindrückliche Zahlen aus Berliner Untersuchungen. Dort seien seit der Einführung der zweiten Stufe der Umweltzone, mit Zufahrt nur für Fahrzeuge mit grüner Plakette zum 01.01.2010, bereits 58 Prozent weniger Dieselrußpartikel gegenüber dem Trend ohne Umweltzone gemessen worden. „Umweltzonen können ihren maximalen Nutzen aber nur entfalten, wenn die Einhaltung der Regeln konsequent überprüft wird.“, weiß Friedrich. “Die Erfurter Stadtregierung muss dies zum Wohle der Bürger und vor dem Hintergrund drohender Strafzahlungen ernsthaft in Angriff nehmen.“
Auf einen weiteren Emittenten von Dieselruß in Thüringen geht Barbara Göppel, stellvertretende Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der Deutschen Umwelthilfe, ein. Auch Baumaschinen seien ein nicht zu unterschätzendes Problem. „Die Städte in Thüringen müssen durch eine geeignete Anpassung der  Ausschreibungen, die verbindliche Ausstattung von Baumaschinen mit Partikelfilter auf Baustellen der öffentlichen Hand vorschreiben. Denn durch die hohe Zahl an Einsatzstunden am selben Ort sowie die Nutzungsdauer der Maschinen über viele Jahre tragen Baumaschinen bis zu einem Viertel der innerstädtischen, verkehrsbedingten Rußemissionen bei.“  Neben einigen Kommunen in Deutschland werden nun endlich auch die Deutschen Bahn AG eine solche Regelung für ihre Baustellen an Januar 2013 einführen, dies könne und müsse als Vorbild dienen.

Dieselruß verursacht Herz- und Lungenkrankheiten und sogar Krebs. Um sich selbst und andere zu schützen, kann jeder Thüringer etwas tun: Den Umstieg auf Bus und Bahn oder das Fahrrad. Allerdings muss für beides mehr Geld im Landeshaushalt zur Verfügung gestellt und diese Alternativen auch beworben werden, meint Julia Balz vom NABU Bundesverband: „Der Thüringen-Takt könnte die Fahrgastzahlen im Nahverkehr erhöhen und damit die Zahl der Pkw-Pendler in Erfurt und anderswo reduzieren“, führt Balz an. Ebenfalls müsse der Radverkehr in Thüringen, der in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt wurde, mehr gefördert werden. Andere Städte und Bundesländer seien da schon viel weiter. „Wenn Thüringen beim Radverkehr aufholt und den Öffentlichen Verkehr ausbaut, werden sich Luftqualität und Lebensqualität deutlich verbessern“, so Balz abschließend. 

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