Vom Aussterben bedroht: BUND Thüringen setzt Schutzmaßnahmen für den Gartenschläfer in Thüringen um

16. Februar 2026 | Naturschutz, Lebensräume

Gartenschläfer  (Thomas Mölich)

Kleinräumiger Biotopverbund & Wasserretention im Wald: Maßnahmen für den Gartenschläfer helfen zahlreichen Arten

Der Gartenschläfer, der bunte Bruder des Siebenschläfers, ist eine Schlafmaus und ein nachtaktiver Kleinsäuger. Trotz seines Namens ist er in Thüringen ein Waldbewohner. In der aktuellen Roten Liste Thüringen (2021) ist der Bilch als „vom Aussterben bedroht” eingestuft. Ein wichtiger Populationskern der Art liegt im Thüringer Schiefergebirge. Nur wenn es gelingt dieses Vorkommen zu erhalten hat der Gartenschläfer in Thüringen eine Überlebenschance.
Im laufenden ENL-Projekt „Maßnahmen für die Sicherung der Populationen des vom Aussterben bedrohten Gartenschläfers (Eliomys quercinus) in Thüringen" werden aktuell Schutzmaßnahmen bei Reichenbach und bei Wickendorf, Gemeinde Probstzella, umgesetzt. 

Diese greifen zwei wesentliche Probleme und Themen des Natur- und Artenschutzes auf:
Die Notwendigkeit von Biotopverbundmaßnahmen – hier auch auf kleinräumigem Maßstab zur Unterstützung ausbreitungsschwacher (kleiner) Arten wie dem Gartenschläfer sowie die Wasserspeicherung im Wald als ein Instrument, um dem Waldsterben entgegenzuwirken. 

Hierzu legt der BUND mit Hilfe regionaler Firmen auf Flächen der NABU Stiftung Nationales Naturerbe sowie eines Privatwaldbesitzers in der Gemarkung Reichenbach zurzeit vier Kleinstgewässer an. In der Gemarkung Roda-Wickendorf wird ein Teichdamm, der in Folge einer umgestürzten Esche beschädigt wurde, repariert.

Dadurch wird dem Gartenschläfer direkt geholfen, da er aktiv trinken muss und seinen Flüssigkeitsbedarf nicht allein durch die Nahrung decken kann. Aber neben der Schlafmaus profitieren nicht nur weitere Tierarten von stehenden Gewässern, auch der Wald an sich, zieht seinen Nutzen aus den Schutzmaßnahmen. Dezentrale Maßnahmen zur Wasserrückhaltung reduzieren Hochwasser, verhindern Bodenerosion und sichern den Grundwasserhaushalt; all das hilft, Schäden im Wald, insbesondere während längerer Trockenphasen im Sommer, abzumildern.

Weitere im Moment durchgeführte Maßnahmen zielen auf den kleinräumigen Biotopverbund ab. Hierbei werden abgestorbene Fichten genutzt, die auf der Fläche belassen und zur Aufwertung des Gartenschläferlebensraums genutzt werden. Aus den Stämmen und dem Schlagabraum werden Totholzriegel und -haufen aufgeschichtet, die als Leitstrukturen und Querungshilfen für diverse Tierarten nutzbar sind. Weiterhin bieten diese Strukturen Nahrung und Versteck und verbinden Waldflächen, auf denen bereits Gartenschläfer vorkommen. 

Bei Reichenbach dienen die Verbindungselemente vor allem der Vernetzung verschiedener Reviere von Gartenschläfern, die durch Forschung mit besenderten Tieren ermittelt wurden, sowie auch der Vernetzung der Altbergbauflächen. Seit dem Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ - welches die Initialzündung für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen für die Art in Thüringen war - wissen wir um die Wichtigkeit der Abraum-Schieferhalden. Der Großteil aller besenderten Gartenschläfer im Thüringer Schiefergebirge nutzte diese als Tag- oder als Winterquartier. 

Pressefoto zum Download
Fotografie: Thomas Mölich

Weitere Informationen:

Hintergrund
Das hier im Rahmen des Förderprogramms zur Entwicklung von Natur und Landschaft laufende Projekt soll nun die verbleibende Lücke bis zum Projektstart der BfN-geförderten „Mission Gartenschläfer“ schließen und die Durchführung von Maßnahmen vom 01.10.2025 bis 31.05.2027 ermöglichen. Neben der Umsetzung von Schutzmaßnahmen steht die Aufrechterhaltung der Online-Meldestelle sowie eine umfassende regionale Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des Projektes. Im Rahmen des Projekts arbeitet der BUND Thüringen bei den Maßnahmen zusammen mit ThüringenForst AöR, dem Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale, dem Naturpark Thüringer Wald, dem Bergwaldprojekt e.V., dem NABU Thüringen sowie dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.

Projektleitung:
Thomas Mölich I BUND Thüringen, 036254 / 649150, thomas.moelich(at)bund.net

Projektkoordination:
Anita Giermann I BUND Thüringen, Tel: 0361 5550341, a.giermann(at)bund-thueringen.de

Pressekontakt:
Kerstin Neumann | Christina Eberhardt, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 361 5550314; Mobil: 0176 13338510 oder 0176 13338564, presse(at)bund-thueringen.de

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