Welche Maßnahmen wollen Sie zum Schutz der Umwelt und Anwohner vor steigenden schädlichen Emissionen im Lankreis treffen, insbesondere im Hinblick auf die mögliche Erweiterung der Thermischen Verwertungsanlage Rudolstadt-Schwarza? 

Marko Wolfram: Der Schutz der Anwohner und der Umwelt hat oberste Priorität. Bei allen Industrieanlagen gilt die strikte Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte als absolute Untergrenze. Im Falle einer Erweiterung in Rudolstadt-Schwarza fordere ich maximale Transparenz im Genehmigungsverfahren, den Einsatz modernster Filtertechnologien zur Emissionsminderung sowie eine lückenlose, unabhängige Überwachung der Luftqualität.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: Die thermische Verwertungsanlage wird seit 2008 vom ZASO betrieben. Ich kann als Landrat aktiv Einfluss auf die Entscheidungen des ZASO (Zweckverband Abfallwirtschaft Saale-Orla) nehmen.
Diese Möglichkeiten habe ich:
- Stimmrecht in der Verbandsversammlung: Der Zweckverband wird durch die Verbandsversammlung gesteuert, in der der Landrat als gesetzlicher Vertreter des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt Stimmrecht besitzt.
- Entsendung von Vertretern: Neben seiner eigenen Präsenz entsendet der Landkreis weitere Verbandsräte in die Versammlung, die bei Entscheidungen über Gebühren, Satzungen, Wirtschaftspläne und Personal abstimmen.
- Initiativrecht: Der Landrat kann eigene Beschlussanträge einbringen (wie beispielsweise Änderungen am Stellenplan oder an Gebührensatzungen) und so die politische Agenda mitbestimmen.
Zwar ist der ZASO eine eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts, doch da der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zusammen mit dem Saale-Orla-Kreis die Träger des Verbandes bildet, sind die Hauptverwaltungsbeamten (beide Landräte) maßgeblich an der Ausrichtung und Beschlussfassung beteiligt. Ich werde detailliert darauf achten, dass die vorgegebenen Grenzwerte - auch bei einer Erweiterung der Anlage eingehalten werden.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Wie lautet Ihre Strategie für den dringend notwendigen Ausbau der des ÖPNV und des Radwegenetzes? Werden Sie gegen den Neubau neuer Straßenverbindungen einsetzen?

Marko Wolfram: Die Mobilitätswende gelingt durch attraktive Angebote: Wir stärken die KomBus, optimieren Taktungen im ThüringenTakt und modernisieren die Busflotte mit alternativen Antrieben. Unser Radverkehrskonzept setzen wir mit Fokus auf Alltagswege konsequent fort. Der Fokus im Straßenbau liegt auf dem Bestand. Hier sind noch dringende Maßnahmen abzuarbeiten. Ausnahme ist die Linkenmühle-Brücke: Diese historische Stauseequerung sichert eine dauerhafte Erreichbarkeit, entlastet Umwege und stärkt den sanften Tourismus.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: Der ÖPNV muss mit einem leistungsfähigeren Rufbussystem ausgestattet werden. Momentan endet die Bereitschaft um 17 Uhr, was völlig unzureichend ist. 
Ich werde mich außerdem dafür einsetzen, dass das vorhandene Radwegenetz besser an übergeordnete Radwege angeschlossen wird.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Wie wollen Sie den Landkreis auf zukünftige Extremwetterereignisse (Überschwemmungen) und Katastrophen (Waldbrände) vorbereiten und Vorsorge für den Schutz von Menschen und Umwelt treffen?

Marko Wolfram: Der Klimawandel erfordert einen starken Katastrophenschutz. Deshalb errichten wir das neue, hochmoderne Gefahrenabwehrzentrum im Landkreis und statten unsere Feuerwehren kontinuierlich mit Spezialtechnik zur Waldbrandbekämpfung aus. Beim Hochwasserschutz arbeiten wir eng mit den Kommunen und der TLUBN zusammen, um gezielt Retentionsflächen zu sichern und Gewässer ökologisch rückzubauen.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: Für Extremwetterereignisse brauchen wir dringend mehr Regenwasserrückhaltebecken. Der ZWA plant und baut derzeit schon. Hier werde ich versuchen den ZWA in die richtige Richtung zu lenken.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Wie lauten Ihre Pläne für die Umweltbehörde des Landkreises? Welche Mittel werden Sie für die Pflege und Entwicklung von Biotopen im Landkreis und die Umsetzung von Umweltbildungsprogrammen ( z.B. Thüringer Nachhaltigkeitsschule) an Schulen einsetzen?

Marko Wolfram: Die Umweltbehörde wird personell und materiell so ausgestattet, dass sie ihre Schutzaufgaben verlässlich wahrnehmen kann. Für die Biotoppflege nutzen wir gezielt Landes- und Bundesförderprogramme und kooperieren eng mit den Naturparken. Als Schulträger unterstützen wir unsere Schulen aktiv bei Umweltbildungsprogrammen wie der „Thüringer Nachhaltigkeitsschule“.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: In der Umweltbehörde sind derzeit 3 Stellen nicht besetzt. Die Personalpolitik muss sich dahingehend ändern, dass die Ausschreibungen offener gestaltet werden. Landrat Wolfram verspricht seit Jahren dieses zu ändern - ohne erkennbaren Erfolg.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Inwieweit werden Sie öffentliche, kreiseigene Grünflächen für die Verbesserung der Artenvielfalt z.B. durch insektenfreundliche Blühwiesen, zur Verfügung stellen und sie in diesem Sinne bewirtschaften lassen?

Marko Wolfram: Als Landkreis müssen wir hier Aufwand, Nutzen und Sicherheit klug abwägen. Eine flächendeckende Umstellung aller Flächen auf Blühwiesen ist im Alltag oft gar nicht leistbar. Zudem hat an unseren Kreisstraßen die Verkehrssicherheit – wie das Freihalten von Sichtdreiecken an Kreuzungen – immer absolute Priorität. Wo es der Pflegeaufwand und die Sicherheit aber zulassen, versuchen wir schon jetzt, seltener zu mähen. Für die Zukunft wollen wir gezielt prüfen, an welchen ausgewählten Objekten, wie etwa bei Schulen, insektenfreundliche Areale von vornherein sinnvoll integriert werden können.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: Ich bin für mehr Blühwiesen im Landkreis und mehr Insektenhotels. Bei mir vor dem Schloss Wespenstein habe ich bereits vor Jahren ein Insektenhotel aufstellen lassen und die Hänge werden nur selten gemäht, damit die Bienen des Nachbarn genug Futter finden.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Wie wollen Sie die Abhängigkeit des Landkreises von fossilen Energieträgern verringern? Wie stehen Sie zum Ausbau der Photovoltaik im Landkreis, die bereits von einigen großen Firmen in Form sogenannter Agri-Photovoltaik vorangetrieben wird? 

Marko Wolfram: Die Energiewende sichert Klimaschutz und regionale Unabhängigkeit. Ich befürworte den PVAusbau, priorisiere dabei aber bereits versiegelte Flächen wie Dächer oder Großparkplätze. Das Modell der Agri-Photovoltaik begrüße ich: Durch die Aufständerung der Module wird eine dauerhafte Flächenversiegelung verhindert und die parallele landwirtschaftliche Nutzung bleibt voll erhalten.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: An der Fachhochschule Erfurt unterrichte ich Umwelttechnik bzw. Umweltgeotechnik, welches sich mit  Windkraftanlagen, Photovoltaik, Geothermie etc. beschäftigt. Die Studierenden lernen auch bei mir wie man eine CO2 Bilanz erstellt. Seit meiner Bürgermeisterzeit in der Stadt Gräfenthal setzte ich mit aktiv für eine Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Mülldeponie ein. Die Realisierung steht kurz bevor. Auch private Firmen habe ich bezüglich Photovoltaik schon beraten, wie die Firma GKT.
Dieses Thema ist eines meiner Lieblingsthemen.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Wie wollen Sie dem fortschreitenden Flächenverbrauch an den Siedlungsrändern bei der gleichzeitigen Verödung und der Siedlungskerne entgegenwirken?

Marko Wolfram: Hier gilt das klare Prinzip „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Durch geltende Regeln ist der Flächenverbrauch an den Ortsrändern bereits eingeschränkt. Mit unserem Projekt Leerstandsmanagment wurden den Kommunen wertvolle Hilfsmittel für diese Thematik an die Hand gegeben. Gleichzeitig stärken wir unsere Ortskerne, indem wir die soziale, schulische und medizinische Infrastruktur (wie unsere Thüringen-Kliniken und 35 MVZ-Praxisstandorte) sowie den ÖPNV direkt in den Ortszentren sichern.

Prof. Dr. Wolfgang Wehr: Um der Verödung der Siedlungskerne entgegenwirken, müssen flächendeckend Leerstandsmanager eingestellt werden, die nicht nur verwalten sondern aktiv auf potentielle Verkäufer zugehen. Ich hatte während meiner Bürgermeisterzeit sogar privat jemanden eingestellt, der diese Aufgabe übernommen hat, da die Verwaltung zu träge war. Hier muss sich massiv etwas ändern.

Thomas Benninghaus: keine Antwort

Ansprechpartner

Jörg Fritz

Vorsitzender
Kirchgasse 13 07407 Rudolstadt E-Mail schreiben

BUND-Bestellkorb