"Bevölkerung über Störfallrisiken zu wenig informiert"

02. August 1994 | Chemie, Ressourcen & Technik

BUND Thüringen kritisiert Betreiber gefährlicher Anlagen

Eisenach. "Die Bevölkerung in Thüringen ist über mögliche Störfälle in Industrieanlagen zu wenig informiert." Zu diesem Ergebnis kommt der Landesverband Thüringen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nach Auswertung einer bundesweiten Umfrage des Umweltverbandes. "Obwohl die Störfallverordnung die Betreiber von risikoreichen Industrieanlagen, etwa in der Chemie oder der Energiewirtschaft, bereits seit 1991 dazu verpflichtet, die Öffentlichkeit vorsorglich über Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensregeln bei Störfällen zu unterrichten, geschieht dies in Thüringen nur in ganz wenigen Fällen", heißt es in einer heute veröffentlichten Presseerklärung des BUND Thüringen.

Die Masse der sogenannten Störfall-Anlagen in Thüringen komme damit ihrer gesetzlich festgelegten Informationspflicht nicht nach. Dazu zählen nach Angaben des BUND unter anderem Chemiebetriebe in Apolda, Menteroda, Bad Köstritz, Greiz und Rudolstadt sowie die Wismut GmbH in Seelingstädt.

"Die Anwohner dieser Betriebe haben jedoch das Recht, über die Risiken in ihrer Nachbarschaft informiert zu sein. Auch in Frankfurt war die Bevölkerung arglos, bis bei der Firma Hoechst die Störfallserie gar nicht mehr abriß", so Ralf-Uwe Beck, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. Andernfalls müsse man vermuten, daß diese Betriebe etwas zu verheimlichen hätten oder den Betreibern die Risiken nicht bewußt seien.

Dass es auch anders gehe zeigten positive Beispiele aus dem Landkreis Erfurt und dem Saale-Orla-Kreis: "Die RHG Raiffeisen in Walschleben und die Zellstoff-und Papierfabrik RosenthaI in Blankenstein haben die betroffene Bevölkerung über ihre Anlagen informiert", lobt der Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen, Michael Spielmann. "Je mehr die Anwohner von Industrieanlagen wissen, umso besser sind sie für Störfälle präpariert und umso wahrscheinlicher schwindet auch ihr Mißtrauen", so Spielmann.

Der BUND Thüringen kündigte an, mit den Unternehmen, die ihrer Informationspflicht bislang nicht nachgekommen seien, in Kontakt zu treten. Industrie und Verwaltung seien aufgefordert, eine aktive Informationspolitik zu betreiben. "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch keine Angst vor der Öffentlichkeit", so der BUND abschließend. 

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