BUND protestiert gegen Genehmigung der Gen-Versuche und setzt risikolose Konzepte entgegen

29. April 1994 | Landwirtschaft, Ressourcen & Technik

Eisenach. "Die Genehmigung der Gen-Versuche in Friemar ist schlichtweg unverantwortlich gegenüber den in Thüringen lebenden Menschen", protestiert Gudrun Flachmann, Sprecherin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen. Auch das Bundesgesundheitsamt (BGA), das die Genehmigung erteilt habe, schließe nach eigenen Angaben nicht aus, daß sich das in den Pflanzen neu eingesetzte Gen ausbreiten und negative Auswirkungen auf die Umwelt haben könne.

Im Bewußtsein aller Risiken habe das BGA rechtzeitig zum Aussaattermin die Genehmigung erteilt. Den unheilvollen Zielen der Firma Hoechst Schering AgrEvo GmbH sei nun in Thüringen dank des BGA's zunächst der Weg geebnet. "Wer glaubt, die Verantwortung für das Freisetzen gentechnisch veränderter Pflanzen übernehmen zu können, hat die Tragweite dieser Entwicklung noch nicht begriffen", mahnt Gudrun Flachmann. Mit dem Einzug der Gentechnik in die Landwirtschaft werde eine Entwicklung eingeleitet, die die Gefahren der Atomspaltung in den Schatten stelle.

Der Kreistag Gotha und über 500 Einwohner Friemars hatten sich gegen die Versuche ausgesprochen. "Wer hört eigentlich auf die Meinung der Bürger und Bürgerinnen, die unmittelbar von den Auswirkungen des Freilandversuches betroffen sein können?" so Michael Spielmann, Geschäftsführer des BUND Thüringen. Die Position des Gemeinderates Friemar und die Stellungnahme des Landes Thüringen spiegelten diese Voten in keiner Weise wieder. Im Gegenteil, durch die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt, deren Mitarbeiter den Versuch durchführen, kooperiere das Land Thüringen mit der Firma Hoechst Schering AgrEvo GmbH.

Der BUND Thüringen werde sich in seinem Widerstand gegen die Freilandversuche gentechnisch veränderter Pflanzen durch die Genehmigung nicht bremsen lassen. "Wir werden die Bevölkerung aufrufen, sich gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft, an der die großen Firmen verdienen, durch die aber für die Menschen in Thüringen nur Risiken entstehen, zu wehren", so Gudrun Flachmann. Der BUND Thüringen fordere alle Bürger und Bürgerinnen auf, keine gentechnisch hergestellten Produkte zu kaufen und setze sich für die Kennzeichnung dieser ein. "Wir wollen keine gentechnisierte Agroindustrie, sondern eine Landwirtschaft, die ökologische Kreisläufe berücksichtigt und ohne Umweltgefährdung gesunde Lebensmittel produziert", so Michael Spielmann. 

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