BUND zur Müllverbrennung in Südthüringen: "Wer soll das bezahlen?"

22. Januar 1997 | Umweltgifte, Ressourcenschutz

Eisenach. Mit Befremden nimmt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, die Pläne des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Südwestthüringen (ZASt) zur Kenntnis, wonach im südwestthüringer Raum in Kürze eine Müllverbrennungsanlage errichtet werden soll. Die Katze dazu sei aus dem Sack gelassen: Bereits im April 1997 solle die Standortentscheidung fallen.

Matthias Kirsten, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Thüringen, verurteilte die Müllverbrennung als "einfallslos und unzeitgemäß". Er kritisierte insbesondere, daß die rückläufige Tendenz der Abfallmengen völlig ignoriert werde. »Alternativen wie die mechanisch-biologische Abfallentsorgung oder der Export in nicht ausgelastete Anlagen in den alten Bundesländern werden kaum geprüft, von Müllvermeidung will man schon gar nichts wissen", so Kirsten weiter.

"Unklar ist, wer angesichts leerer Haushaltskassen in den Kommunen und der finanziell immer stärker belasteten Bevölkerung eine solche Müllverbrennungsanlage finanzieren soll. Die Müllverbrennungslobby wird dies wohl kaum aus ihrer privaten Kasse tun", so Klaus Fink, Fachreferent des BUND Thüringen. Die Investitionskosten seien in Größenordnungen von mehreren Hundert Millionen Mark anzusetzen, die im Abschreibungszeitraum wieder hereinkommen müßten. Hier drohe eine Gebührenschraube ohne Ende, bei dem man den Gebührenzahlern am Ende "das Fell über die Ohren ziehen" werde. Außerdem müsse, wenn so eine Anlage erst einmal steht, ständig für Müllnachschub gesorgt werden. "Dabei besteht die Gefahr, daß letztendlich nicht nur Restmüll, sondern alles Brennbare in den Ofen wandert", so Matthias Kirsten. Schließlich sei eine Müllverbrennungsanlage längst nicht so ,,gesund und sauber", wie von ihren Befürwortern immer beteuert werde, sondern berge noch immer immense Risiken in Bezug auf die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Der BUND verlangt daher vom ZASt und von den beteiligten Politikern in Land und auf kommunaler Ebene, daß anband der vorliegenden und zu erwartenden Zahlen über das Restmüllaufkommen in Thüringen die bekannten Alternativen sorgfältig und objektiv geprüft werden. Außerdem sei zu klären, welche Auswirkungen das neue Kreislauf-, Wirtschafts-und Abfallgesetz auf die Entwicklung des Restmüllaufkommens im Freistaat haben wird. "Ein übereilter Schnellschuß könnte der Bevölkerung sonst teuer zu stehen kommen", so Kirsten abschließend. 

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