Eisenach/Erfurt. Mit einer sieben mal sieben Meter großen, zähnefletschenden Monster-Gen-Tomate haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen und die örtlichen Reformhäuser heute auf dem Erfurter Domplatz dagegen protestiert, Nahrungsmittel genetisch zu manipulieren.
"Die Gefahren für unsere Gesundheit sind unkalkulierbar", so Frank Augsten, Sprecher des BUND-Landesarbeitskreises Landwirtschaft. "Nahrungsmittel sollten möglichst naturbelassen sein. Und wenn überhaupt Gen-Food, dann nur mit klarer Kennzeichnung - egal, wie groß oder klein das Risiko für unserer Gesundheit ist. Denn wir haben das Recht zu wissen, was wir essen."
Gentech auf dem Teller - da rührt sich der Widerstand vor allem in Deutschland. 70 bis 90% der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher sind gegen die Anwendung der Gentechnik im Lebensmittelbereich. Und das aus gutem Grund. Die ersten kleinen "Betriebsunfälle" treiben Allergikern den Angstschweiß auf die Stirn. Wie sich vor dem krankmachenden Gen schützen, wenn bald alles mit allem vermischt wird? Denn die Tomate aus der Retorte ist nur der Anfang, in den Stadtlöchern sitzen noch ganz andere "Kreationen": Schweine mit Wachstums-Genen des Menschen, Erdnüsse mit Erbanlagen aus Blumenkohl. "Niemand wird mehr wissen, was auf seinem Teller landet", kritisiert Frank Augsten.
Die Kritiker befürchten neben möglichen Veränderungen in der Verträglichkeit und der Verdaulichkeit gentechnisch veränderter Lebensmittel vor allem die Bildung unbekannter Stoffwechselprodukte oder Zellgifte und eine Zunahme allergischer Erkrankungen.
Ebenso unabschätzbar sind die ökologischen Folgen des Freilandanbaus genmanipulierter Pflanzen, deren Erbanlagen - wie jüngst bewiesen - auf Bodenmikroben und Wildpflanzen überspringen können.
Zukünftig soll es in Thüringen neben Friemar/Landkreis Gotha einen zweiten Standort am Ortsrand von Hohlstedt bei Weimar geben, wo gentechnisch manipulierten Nutzpflanzen freigegesetzt werden sollen.
Alle Zeichen aus Brüssel deuten darauf hin, daß die zu erwartende EU-Kennzeichnungsverordnung keinen hinreichenden Schutz vor Gentech-Lebensmitteln bieten wird. "Die Kennzeichnung wird die Ausnahme sein, die Ahnungslosigkeit der Käufer die Regel", so Frank Augsten weiter.
Der BUND Thüringen und die Reformhäuser fordern deshalb das Bündnis aller Verbraucherinnen und Verbraucher gegen diese Entwicklung ein. "Wehren wir uns gemeinsam gegen die weitere Verkünstlichung unserer Nahrung, die die Taschen der Macher füllt und uns mit dem Risiko allein läßt. Gen-Food ist überflüssig, da sich wirklich gesunde Lebensmittel auf andere Art und Weise erzeugen lassen", so Augsten abschließend.


