BUND Thüringen ruft zur Meldung der seltenen Schlafmaus auf
Am 20. März beginnt der kalendarische Frühling. Doch der Gartenschläfer schläft vielerorts noch tief in seinem Winterquartier. Wann die Tiere aufwachen, hängt vor allem vom Wetter ab: Erst wenn es über längere Zeit mild bleibt, werden die Schlafmäuse wieder aktiv – spätestens bis Mai sind auch die letzten Tiere erwacht.
Der BUND Thüringen nutzt den Frühlingsanfang, um auf die seltene Schlafmaus aufmerksam zu machen und ruft dazu auf, Beobachtungen über www.gartenschlaefer.de zu melden. Dort sind bereits mehr als 12.000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen – eine wichtige Datengrundlage für Forschung und Schutz der in Thüringen vom Aussterben bedrohten Art. Seit 2018 setzt der BUND Thüringen gemeinsam mit Partnern Projekte zu ihrem Schutz um.
„Gerade im Frühling haben wir gute Chancen, den Gartenschläfer nachzuweisen. In dieser Zeit sind die Tiere aktiver und manche machen auch durch ihre Rufe auf sich aufmerksam“, sagt Anita Giermann, Projektkoordinatorin beim BUND Thüringen. „Jede Beobachtung hilft uns, mehr über die Verbreitung dieser seltenen Art zu erfahren und gezielte Schutzmaßnahmen umzusetzen.“
Der Frühling ist für den Gartenschläfer auch Paarungszeit. Rund drei Wochen nach der Paarung – in Thüringen meist von Juni bis Mitte Juli – werden die Jungen geboren. Als Kinderstube dienen Baumhöhlen, Nistkästen, selbst gebaute Nester im Gebüsch oder Felsspalten. Schlafmäuse bekommen meist nur einmal im Jahr Nachwuchs und gehen in den Mittelgebirgen bereits Mitte bis Ende August wieder in den Winterschlaf. Dazu senken sie aktiv ihren Stoffwechsel, wodurch die Körpertemperatur stark absinkt und Energie gespart wird. Dieser Zustand wird als Torpor bezeichnet. Im Winter verbringen die Tiere einen besonders langen Torpor, den man umgangssprachlich Winterschlaf nennt.
In Thüringen konzentrieren sich die bekannten Vorkommen des Gartenschläfers vor allem auf das Thüringer Schiefergebirge mit seinen Ausläufern. Ein weiteres Reliktvorkommen gibt es im Landkreis Gotha zwischen Tambach-Dietharz und Ohrdruf. Ob die Art auch an weiteren Orten im Thüringer Wald vorkommt, möchte der BUND Thüringen genauer herausfinden. Auch Nachweise aus Regionen, in denen der Gartenschläfer früher verbreitet war – etwa im Südharz oder in Südwestthüringen – wären eine kleine Sensation.
Den Gartenschläfer zu entdecken ist jedoch nicht einfach: Die Tiere sind fast ausschließlich dämmerungs- und nachtaktiv. Umso wichtiger sind Hinweise aus der Bevölkerung. Beobachtungen können über die bundesweite Online-Meldestelle www.gartenschlaefer.de gemeldet werden. „Wenn jemandem ein Gartenschläfer vor die Linse tappt, ist das für uns eine wichtige Information“, sagt Giermann. „Wir freuen uns über jede Meldung und auch Totfunde helfen uns, mehr über die Verbreitung dieser seltenen Art zu erfahren.“
In Thüringen gilt der Gartenschläfer laut aktueller Roter Liste als vom Aussterben bedroht.
Hintergrund:
Das aktuell im Rahmen des Förderprogramms zur Entwicklung von Natur und Landschaft laufende Projekt (Projektlaufzeit: 01.10.2025 bis 31.05.2027) hat folgende Schwerpunkte: Umsetzung von Schutzmaßnahmen, Aufrechterhaltung der Online-Meldestelle sowie eine umfassende regionale Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen des Projekts arbeitet der BUND Thüringen bei den Maßnahmen zusammen mit ThüringenForst AöR, dem Naturpark „Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale“, dem Naturpark „Thüringer Wald“, dem Bergwaldprojekt e.V., dem NABU Thüringen sowie dem Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.
Das Projekt wird finanziert durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten und wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Pressekontakt:
Kerstin Neumann | Christina Eberhardt, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49 361 5550314; Mobil: 0176 13338510 oder 0176 13338564, presse(at)bund-thueringen.de


