Eisenach. Anläßlich der heutigen Anhörung im Thüringer Landtag zu den in Friemar (Landkreis Gotha) geplanten Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen die Parlamentarier aufgefordert, sich gegen die Freilandversuche der Firma Hoechst Schering AgrEvo GmbH auszusprechen. Sie sollten alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um eine Ablehnung der Freilandversuche durch das Bundesgesundheitsamt zu bewirken.
Der BUND weist darauf hin, daß es bis jetzt keine fundierten Kenntnisse über das Wirken der Genmanipulationen im Stoffkreislauf der Natur gebe. "Sicher ist bloß eins: sie sind nicht zurückholbar", so Gudrun Flachmann, Sprecherin des BUND Thüringen. Eine wachsende Anzahl von Wissenschaftlern warne vor den Gefahren der Freisetzung gentechnisch manipulierter Organismen. Insbesondere der rasante Schwund der natürlichen Artenvielfalt unsere Erde bekomme mit der Gentechnik eine neue beängstigende Dimension, so der BUND.
Der BUND Thüringen erwarte durch die Einführung der Gentechnik in der Landwirtschaft tiefgreifende Veränderungen. Trotz relativ großer Strukturen in der ostdeutschen Landwirtschaft werde es in Zukunft auch hier durch die damit einhergehende Rationalisierung und Intensivierung zum weiteren Preisverfall agrarischer Produkte und zum Arbeitsplatzabbau kommen. Schon jetzt sei die Arbeitslosigkeit in den ländlichen Gebieten in Thüringen enorm.
Die Abhängigkeit der Landwirtschaftsbetriebe werde stark zunehmen, so der BUND. Zum einen dürfe gentechnisch erzeugtes und patentiertes Saatgut ohne Lizenzgebühr von Landwirtschaftsbetrieben nicht mehr nachgebaut oder von kleinen Unternehmen weitergezüchtet werden. Zum anderen könnten, wenn Forschung und Entwicklung, Produktion, Patentierung und Verkauf derart an einer Stelle konzentriert seien, Saatgut, Herbizide und das Know-how der Anwendung als Paket verkauft werden. Der BUND Thüringen warne ausdrücklich vor einer solchen Entwicklung, die keineswegs die anstehenden Probleme in der Landwirtschaft lösen werde.
Außerdem lehnten, so der BUND Thüringen, viele Verbraucher die Anwendung der Gentechnologie für Lebensmittel ab. Laut einer Umfrage sind 8 von 10 Befragten gegen diese Entwicklung. Gentechnik gefährde deshalb auch den guten Ruf und damit die Marktchancen thüringischer Produkte.


