Menschenversuch mit Gentech-Soja - Testfall für die Zukunft?

11. November 1996 | Ressourcenschutz, Landwirtschaft

Eisenach. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Thüringen, und die Neuform Oberursel mit ihren deutschen Reformhäusern, unter anderen dem Reformhaus Fischer in Erfurt, haben die Einfuhr von gentechnisch verändertem Soja aus den USA nach Deutschland in aller Schärfe als "Menschenversuch im großen Stil" kritisiert.

"Denn nahezu 30.000 Lebensmittel enthalten mittlerweile Soja. Der in Ölmühlen ab-gepreßte etwa 20-prozentige Ölanteil wird beispielsweise zur Produktion von Margari-ne und anderen Speisefetten bzw. Ölen, von Mayonnaise und Dressings, von Soßen, Suppen und Glasuren wie auch von Kartoffelchips eingesetzt. Darüberhinaus findet aus Soja hergestelltes Lecithin als Emulgator zum Beispiel in Eiscremes, Schokolade und anderen Süßigkeiten breite Anwendung. Die Rückstände der Ölmühlen wandern als wertvolles Eiweißfuttermittel in die Futtertröge der Landwirtschaft", sagte Frank Augsten, Sprecher des AK Landwirtschaft im BUND Thüringen, in einer heute veröf-fentlichten Presseerklärung.

Über Hamburg waren in der Nacht zum 6.11.96 vermutlich erstmals gentechnisch ver-änderte Sojabohnen aus den USA nach Deutschland eingeführt worden. Um die getrennte Verarbeitung und Kennzeichnung unmöglich zu machen, wurde das Gentech-Soja des US-Konzerns MONSANTO mit herkömmlich erzeugten Bohnen vermischt. Die Hamburger Ölmühle hat nach ihrem Vorstandssprecher Wissels bereits signalisiert, daß sie nicht in der Lage sei, die gentechnisch veränderten Feldfrüchte von den normalen zu trennen.

Die europaweit beiden größten Lebensmittelkonzerne NESTLE und UNILEVER haben bereits verbindlich in der Öffentlichkeit erklärt, daß sie nicht bereit seien, genmanipulierte Sojabohnen zu verarbeiten.
Obwohl sich nach verschiedenen Umfragen auch über drei Viertel der Bevölkerung gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel aussprechen, wolle MONSANTO - in Thüringen berüchtigt durch die Freisetzungsversuche in Hohlstedt bei Jena - die lebensmittelverarbeitende Industrie sowie die Verbraucher vor vollendete Tatsachen stellen. Um das zu verhindern, verlangen die Reformhäuser und der BUND Thüringen von den politisch Verantwortlichen die gesetzliche Pflicht zur umfassenden Kennzeichnung genmanipulierter Lebensmittel. 

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb