Schutzgebiet in Sachsen-Anhalt bleibt tabu für Naturgipsabbau
BUND wertet Entscheidung als wichtiges Signal für den Schutz der Südharzer Gipskarstlandschaft
Das umstrittene Vorhaben für Gipsabbau im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz ist vorerst gestoppt. Die BUND-Landesverbände Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen begrüßen die Entscheidung des Koalitionsausschusses Sachsen-Anhalt, den Schutzstatus „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ für das Gipskarstgebiet bei Breitungen im Landkreis Mansfeld-Südharz beizubehalten. Die Entscheidung ist ein wichtiges Signal für den Schutz der gesamten Südharzer Gipskarstlandschaft.
Der Koalitionsausschuss lehnte die im zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplans vorgesehene Umwandlung der rund 125 Hektar großen Fläche in eine sogenannte „Weißfläche“ ab. Damit bleibt das Gebiet weiterhin Vorranggebiet für Natur und Landschaft.
Für den BUND ist klar: Schutzgebiete dürfen nicht dem Naturgipsabbau geopfert werden. Die Entscheidung des Koalitionsausschusses ist deshalb weit mehr als eine regionale Einzelfallentscheidung. Sie sendet ein wichtiges Signal für den Umgang mit der gesamten Südharzer Gipskarstlandschaft in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen. Der BUND fordert, dieses Signal auch in zukünftigen Raumordnungsplanungen konsequent zu übernehmen. Statt immer neue Abbauflächen auszuweisen, braucht es mehr Gipsrecycling und klimafreundliche Ersatzstoffe im Bausektor.
Der BUND kritisiert zugleich die mangelnden Fortschritte beim Gipsrecycling. Obwohl die Industrie seit Jahren mit der angeblich hohen Recyclingfähigkeit von Gips wirbt, liegt die tatsächliche Recyclingquote bislang bei nur rund sechs Prozent. Gleichzeitig geraten bestehende Recyclingstrukturen zunehmend unter Druck: Nach dem angekündigten Aus des Gipswerks in Embsen, dem einzigen Standort in Niedersachsen, der 90 Prozent synthetische Gipse verwendet, wurde nun auch die Schließung des Gipsrecyclingwerks in Zweibrücken durch Remondis bekannt.
Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt: „Die Südharzer Gipskarstlandschaft ist weltweit einzigartig. Wissenschaftlich ist eindeutig belegt, dass sich diese Landschaft nach der Zerstörung durch den Abbau nicht wiederherstellen lässt. Deshalb begrüßen wir die Entscheidung des Koalitionsausschusses ausdrücklich. Jetzt braucht es langfristige Sicherheit für dieses wertvolle Schutzgebiet. Wir bedanken uns sehr bei allen politischen und gesellschaftlichen Akteuren, die auf diese Entscheidung hingearbeitet haben, das Gipskarstgebiet bei Breitungen zu erhalten.“
Dr. Burkhard Vogel, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: „Es kann nicht sein, dass die Südharzer Gipskarstlandschaft zum dauerhaften Spielfeld multinationaler Gipskonzerne wird. Statt immer neue Naturflächen für den Abbau freizugeben, brauchen wir endlich konsequent klimafreundliche Bauweisen und die Förderung für alternative Baustoffe. Die Entscheidung aus Sachsen-Anhalt muss auch für die Regionalplanung in Thüringen ein klares Signal sein.“
Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen: „Wir fordern die Politik auf, endlich die Weichen für eine echte Kreislaufwirtschaft und ein hochwertiges Gipsrecycling zu stellen. Dazu braucht es verbindliche Vorgaben für Rückbau, Trennung und Aufbereitung von Gipsabfällen und ein konsequentes Deponierungsverbot für Gipsplatten nach dem Vorbild Österreichs. So können die Recyclingquoten erheblich gesteigert und neue, nachhaltige Geschäftsmodelle geschaffen werden. Es muss Schluss sein mit dem Raubbau an wertvollster Gipskarstlandschaft.“
Der BUND setzt sich seit vielen Jahren – unter anderem mit dem Projekt „Netzwerke für den Gipskarst“ – für den Schutz der durch den Gipsabbau bedrohten Karstlandschaft im Südharz ein.
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