Landesverband Thüringen e.V.

Die Kleine Hufeisennase

Einst war sie eine der häufigsten Fledermausarten in Süd- und Mitteleuropa. Seit Mitte der 1950er Jahre sind aber viele Populationen, wahrscheinlich durch den Einsatz von Holzschutzmitteln und Insektiziden, ausgestorben. Die wenigen Kolonien, die überlebt haben findet man hauptsächlich in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Inzwischen erholen sich die bestehenden Populationen der Kleinen Hufeisennasen in Thüringen wieder und es gibt leichte Ausbreitungstendenzen.

Steckbrief

Die kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) ist mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 37-45 mm und einer Flügel-Spannweite von 192 – 254 mm die Kleinste von fünf in Europa vorkommenden Hufeisennasen-Arten. Charakteristisch ist ihr auffällig geformter Nasenaufsatz.  

Schutz

  •     §§ BNatSchG: streng geschützt
  •     FFH-Anhangsart des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 (Tier- und Pflanzenarten,
        die von gemeinschaftlichem Interesse und für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete
        erforderlich sind)
  •     Rote Liste Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
  •     Rote Liste Deutschland: 1 (vom Aussterben bedroht) 

Verbreitung

Nach Angaben der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Thüringen liegen die Verbreitungsschwerpunkte in klimatisch begünstigten Lagen der Naturräume Ilm-Saale-Ohrdrufer-Platte, Paulinzellaer-Buntsandstein-Waldland, Saale-Sandsteinplatten mit Saaleaue, Zechsteingürtel Bad Liebenstein. Zusammenhängende Population bestehen nur noch im Saaletal und seinen Nebentälern. Restliche Vorkommen sind wohl Verbreitungsinseln. Wochenstuben / Sommerquartiere finden sich häufig in alten Gebäuden, weshalb ist die Art stark gefährdet.

Der Thüringer Population kommt die wesentliche Aufgabe des Bestandserhalts in Deutschlands zu, da die letzten Verbreitungsinseln in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt voneinander isoliert sind. Mit je 180 Tieren befinden sich die beiden größten Wochenstubenquartiere in Thüringen und Sachsen. Thüringen beherbergt mit ca. 480 Tieren auch eines der größten Überwinterungsvorkommen in Mitteleuropa. 

Lebensweise

Die kleine Hufeisennase frisst hauptsächlich fliegende Insekten wie Nachtfalter, Mücken, Schnaken, Käfer; es werden aber auch Insekten vom Boden gehascht. 

Typisch für die sonst gesellige Art ist, dass die Tiere besonders im Winterquartier stets einzeln hängen. Die Winterquartiere (Höhlen, Stollen, Keller; Temperatur 6 - 9 C°) werden ab Oktober bezogen. Die letzten Tiere verlassen dieses Ende April wieder.


In den Wochenstuben werden die Jungtiere von den Weibchen (eines pro Jahr) aufgezogen, Die Geburt findet Ende Juni / Anfang Juli statt und nach 6 – 7 Wochen sind die Jungen flugfähig. Typischer Weise hängt das Jungtier kopfüber an der Mutter und wird von dieser mit den Flughäuten komplett ummantelt. Ende August werden die Wochenstuben aufgelöst, anschließend beginnt die Paarungszeit. Die jetzt genutzten Übernachtungsquartiere befinden sich meist in Dachböden, aber auch in unterirdischen Hohlräumen, z.B. in Hauskellern. Diese werden erst spät in der Dämmerung für die Nahrungssuche verlassen.

Der Lebensraum der Kleinen Hufeisennase besteht aus einem Komplex aus geeigneten Sommerquartieren und einer sie umgebenden reich strukturierten und kleinräumigen Landschaft mit extensiv genutzten Kulturflächen und Wäldern. Sie benötigt ein durchgängiges System an Leitstrukturen zu den Jagdgebieten. Dies sind Hecken, Weiden, Streuobstbereiche, begrünte Hausfassaden und vor allem lichte Wälder (Laubwaldgebiete oder auch locker bestandene Nadelwälder). 

Schutz der Kleinen Hufeisennase

Bettina Ermer

Projektleitung
Schulstraße 2 07389 Ranis E-Mail schreiben Tel.: 036484/ 179989

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