Landesverband Thüringen e.V.

Ausverkauf im Buchenwaldnaturerbe „Hohe Schrecke“ - Landesregierung verhökert Zukunftskapital einer ganzen Region

23. April 2005 | Wälder

Erfurt. Die Landesversammlung des BUND Thüringen verurteilt den Verkauf der Waldflächen in der Hohen Schrecke an einen privaten Investor. Die Entscheidung der Landesregierung unter Federführung des Thüringer Umweltministeriums verhindert die Sicherung der Hohen Schrecke als Teil des europäischen Buchenwald-Naturerbes. Die Landesregierung verhökert damit das Zukunftskapital einer ganzen Region.

Die Hohe Schrecke ist ein „hot spot“ unter den Buchenwäldern Europas. Bis zu dreihundert Jahre alte Baumriesen prägen das Waldbild. Nicht nur Wildkatze, Schwarzstorch oder Hirschkäfer, auch rund ein Dutzend Fledermäuse und mehr als 600 Pilzarten kommen hier vor.
Der BUND Thüringen geht davon aus, dass mit der Verkaufsentscheidung der Landesregierung dort wo heute noch Spechte trommeln und Hirsche röhren, morgen schon Kettensägen in Jahrhunderten entstandene Urwaldriesen vernichten.

Auch aus ökonomischer Sicht ist der Verkauf eine Fehlentscheidung. Den Einnahmen des Landes aus dem Verkaufserlös an einen privaten Anbieter stehen erhebliche und dauerhafte Ausgaben gegenüber. Ausgleichszahlungen für Bewirtschaftungseinschränkungen im FFH-Gebiet Hohe Schrecke, Fördermittel des Landes für forstwirtschaftlichen Wegebau und Kosten für  Munitionsberäumung zur Sicherung der forstlichen Nutzbarkeit der ehemaligen Militärflächen stellen den Netto-Erlös für den Freistaat durch Privatisierung des Waldgebietes in Frage.

Demgegenüber steht das Ziel des BUND, gemeinsam mit den dreizehn Anrainerkommunen, das einzigartige Naturpotenzial in der Hohen Schrecke als Motor für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu erhalten. Die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung, die Naturstiftung David, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützen dieses Ziel. Die Stiftungen haben für die „Hohe Schrecke“ als eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung erhebliche Fördermittel in Aussicht gestellt.

Bleibt die Landesregierung bei ihrer Entscheidung, verspielt sie leichtfertig die Chance, millionenschwere Fördermittel von außen in eine strukturschwache Region des Freistaates zu lenken und die Kommunen in ihrem Bemühen um eine nachhaltige Entwicklung der Region zu unterstützen. Bundesweit verspielt die Landesregierung Ansehen durch die Nicht-Wahrnehmung von Verantwortung für das einzigartige Naturerbe „Hohe Schrecke“. 

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