Landesverband Thüringen e.V.

Grünes Band feiert 20. Geburtstag - 2. Hofer Resolution verabschiedet

13. Dezember 2009 | Grünes Band

Auf Einladung des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) erklärten die Umweltminister Dr. Markus Söder (Bayern) und Frank Kupfer (Sachsen) und Staatssekretär Roland Richwien (Thüringen) übereinstimmend in Hof, dass das Grüne Band als Symbol der deutschen Einheit und längster nationaler Biotopverbund konsequent erhalten werden soll.

„Damit ist das dort vor 20 Jahren beim ersten deutsch-deutschen Naturschutztreffen nach dem Mauerfall initiierte Grüne Band nicht nur eines der wichtigsten, sondern auch eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte des BUND und BN. Seit 1989 setzen wir uns nachdrücklich dafür ein, diesen Naturschatz und einmalige Erinnerungslandschaft der jüngeren deutschen und europäischen Zeitgeschichte dauerhaft zu sichern“, betont der Vorsitzende des BN/BUND Prof. Dr. Hubert Weiger.

Die rund 150 Teilnehmer verabschiedeten eine zweite Hofer Resolution, in der unter anderem die Ausweisung des Grünen Bandes, die Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, als erstes „Nationales Naturmonument“ Deutschlands gefordert wird.

1989 war die damals von den Teilnehmern des Hofer Treffens verabschiedete Resolution die Basis für ein großartiges Gemeinschaftsprojekt von Naturschutzbehörden und Verbänden.

Die jetzt auf der Jubiläumsveranstaltung verabschiedete 2. Resolution fordert:

  1. Ausweisung des Grünen Bandes als „Nationales Naturmonument“ durch die Bundesländer. Das Grüne Band ist auf Grund seiner bundesweiten naturschutzfachlichen Wertigkeit und historischen Bedeutung prädestiniert für diese neue Schutzkategorie. Dadurch kann ein zusammenhängender Biotopverbund und die Funktion als historische Erinnerungslandschaft dauerhaft gewährleistet werden. Die Bundesregierung hat sich in ihrer Koalitionsvereinbarung 2009 ebenfalls dafür ausgesprochen.
  2. Lückenschluss im Grünen Band. Die Anfang der 1990er Jahre insbesondere durch Ackernutzung entstandenen Lücken sollen durch ökologisch orientierte Flurneuordnungsverfahren und Flächenankauf wieder behoben werden. Dabei soll die Verknüpfung und Quervernetzung mit benachbarten Schutzgebieten verbessert werden.
  3. Umsetzung der Flächenübertragung. Die Übertragung aller restlichen Bundesflächen des Grünen Bandes, sowohl der BImA- wie der BVVG-Flächen, an die Länder muss in 2010 endlich vollzogen werden. Die alleinige Zielbestimmung Naturschutz auf diesen Flächen ist von den Ländern bzw. den Flächenempfängern vorbildlich umzusetzen.
  4. Nachhaltige Sicherung des Grünen Bandes. Die Bundes- und Länderministerien sollen wegen der nationalen Bedeutung weitere Naturschutzgroßprojekte, spezifische Biotoppflege, regelmäßige Zustandserfassungen und Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung und zum Naturerleben am Grünen Band fördern.
  5. Umsetzung des Grünen Bandes Europa. Die Bundesregierung soll beim Grünen Band Europa eine führende Rolle einnehmen durch länderübergreifende Modellprojekte, außenpolitisches Engagement, regelmäßige Tagungen, gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung der Auszeichnung als UNESCO-Welterbe.

In 20 Jahren ist es gelungen, dass zwei Drittel des Grünen Bandes als Teil von Hunderten einzelner Schutzgebiete erhalten ist, aber ein Drittel ist völlig ohne Schutz. Es fehlt ein spezieller Schutzstatus, der dem längsten Biotop Deutschlands gerecht wird. Es wird zentraler Inhalt des dritten Jahrzehnts sein, ein zusammenhängendes Biotopverbundsystem langfristig zu sichern und nicht nur einzelne isolierte Teile des Grünen Bandes zu schützen. Bundesweiter Vorreiter bei der Unterschutzstellung ist Sachsen – das Bundesland hat bereits 1996 seinen Abschnitt am Grünen Band (42 km) vollständig unter Schutz gestellt und erhält diesen mit einer vorbildlichen Biotoppflege.

Ein wichtiger Weg zur Erhaltung national bedeutsamer Gebiete ist die Umsetzung von so genannten Naturschutzgroßprojekten der Bundesregierung. Das beantragte grenzüberschreitende Naturschutzgroßprojekt „Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal“ zwischen Bayern und Thüringen unter Beteiligung von vier Landkreisen (Coburg, Kronach, Sonneberg, Hildburghausen) und Verbänden wartet händeringend auf „Grünes Licht“ seitens des Bundes. Der BUND appelliert an das Bundesumweltministerium, das großflächige Vorhaben zur Sicherung und Entwicklung des bayerisch-thüringischen Grünen Bandes in Kürze zu starten.

Wie das Grüne Band mit seinen verschiedenen Facetten in den Bereichen Natur, Kultur und Geschichte für die Bevölkerung erlebbar gemacht wird, zeigt der BUND mit dem länderübergreifenden Naturtourismusprojekt „Erlebnis Grünes Band“. Es ist eines der vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderten Projekte zum langfristigen Erhalt dieses einmaligen Lebensraumverbunds. In drei Modellregionen (Thüringer Wald & Schiefergebirge/Frankenwald, Harz und Elbe-Altmark-Wendland) wurden in enger Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren aus Tourismus und Naturschutz vielfältige touristische Angebote für Besucher entwickelt, die bereits regen Zuspruch finden.

Auf 1393 Kilometern, von der Ostsee bis zum sächsischen Vogtland, verbindet das Grüne Band 17 Naturräume und ist Heimat von über 600 bedrohten Tier- und Pflanzenarten. 85% der Fläche des Grünen Bandes sind noch erhalten. Ausgehend vom Grünen Band Deutschland hat sich die faszinierende Vision eines “Grünes Band Europa“ entwickelt. Durch 23 Staaten über mehr als 12.500 Kilometern verbindet es von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer bedeutende europäische Naturräume. Allein 38 Nationalparks, davon 16 grenzüberschreitend, sind wie Perlen entlang des Grünen Bandes Europa aufgefädelt. Im UNO-Jahr der Biodiversität 2010 ist das Grüne Band als paneuropäischer Biotopverbund ein Vorbild für den Erhalt der biologischen Vielfalt, das die Länder insbesondere durch grenzüberschreitende Kooperationen unterstützen sollten. 

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