Im Umfeld der Wechmarer Hütte bei Georgenthal ist dem BUND Thüringen ein besonderer Nachweis gelungen: Erstmals seit mehr als 65 Jahren konnte dort wieder ein Gartenschläfer nachgewiesen werden. Die Entdeckung der in Thüringen vom Aussterben bedrohten Art ist eine kleine Sensation und liefert einen weiteren wichtigen Hinweis darauf, dass im Thüringer Wald noch ein Reliktvorkommen der seltenen Schlafmaus existiert. Die letzten bekannten Reste der Thüringer Population sind im Wesentlichen auf das Thüringer Schiefergebirge beschränkt.
Seit Jahren setzt sich der BUND Thüringen dafür ein, die letzten Gartenschläfer im Freistaat zu erfassen, ihre Lebensräume aufzuwerten und die Art langfristig zu erhalten. Unterstützung bei der Suche erhielt der Verband unter anderem vom NABU Gotha. Der aktuelle Nachweis gelang nun im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Erfurt: Den entscheidenden Hinweis bei Georgenthal lieferten nun winzige Pfotenabdrücke in einem Spurtunnel, anhand derer sich die Schlafmaus eindeutig nachweisen lässt. Der Fund kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Im Herbst 2026 startet mit der „Mission Gartenschläfer“ das Anschlussprojekt der „Spurensuche Gartenschläfer“. Im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt soll in Thüringen auch die Wiederansiedlung der Art im Thüringer Wald umgesetzt werden. Langfristiges Ziel ist es, die bekannten Vorkommen im Thüringer Schiefergebirge mit dem Reliktvorkommen im Thüringer Wald zu verbinden
„Wir hatten schon länger Hinweise darauf, dass sich im Thüringer Wald noch einzelne Gartenschläfer halten könnten“, sagt Anita Giermann, Projektkoordinatorin beim BUND Thüringen. „Ein Totfund bei Gräfenhain 2021, auf den der NABU Gotha aufmerksam machte und ein weiterer Nachweis bei Tambach-Dietharz, der uns 2025 über die Online-Meldestelle gartenschlaefer.de erreichte, waren wichtige Puzzleteile. Dass wir nun auch an der Wechmarer Hütte wieder Spuren der Art gefunden haben, lässt uns hoffen, dass der Gartenschläfer im Thüringer Wald nie vollständig verschwunden ist. Die Funde verdichten die Hinweise auf ein kleines Reliktvorkommen. Jetzt kommt es darauf an, dieses zu erhalten und zu fördern.“
Wie besonders der aktuelle Nachweis an der Wechmarer Hütte ist, zeigt ein Blick zurück: Der letzte bekannte Gartenschläfer wurde dort am 4. März 1960 von Dr. Wolfgang Zimmermann gefunden, dem langjährigen Direktor des Museums der Natur Gotha. Das Tier befindet sich noch heute als Balgpräparat in der Sammlung des Museums. Historische Nachweise belegen, dass der Gartenschläfer einst im Thüringer Wald vorkam – seit 1890 ist die Art dort dokumentiert.
„Trotz seines Namens ist der Gartenschläfer in Thüringen ein Waldbewohner. Unser Ziel ist es, ihm im Thüringer Wald wieder eine Zukunft zu geben“, sagt Giermann. „Mit der „Mission Gartenschläfer“ wollen wir seine Lebensräume stärken und die bestehenden Vorkommen langfristig wieder miteinander verbinden. Der aktuelle Nachweis macht uns Mut für die kommenden Jahre.“
Auch Beobachtungen aus der Bevölkerung können helfen, weitere Vorkommen des Gartenschläfers aufzuspüren. Wer einen Gartenschläfer beobachtet oder Hinweise auf ein mögliches Vorkommen hat, kann diese weiterhin online melden.
Bild zum Download
Copyright: Thomas Mölich/BUND Thüringen
Hintergrund:
Seit 2018 untersuchte der BUND im Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, warum der Gartenschläfer innerhalb kurzer Zeit aus immer mehr Regionen verschwindet und wie der Art geholfen werden kann. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen wurden zahlreiche konkrete Maßnahmen zum Schutz des Gartenschläfers und seiner Lebensräume umgesetzt. Seit Ende des Projektes laufen Folgeprojekte zum Schutz der Art. Die Bachelorarbeit entsteht im Rahmen des Projektes „Maßnahmen für die Sicherung der Populationen des vom Aussterben bedrohten Gartenschläfers (Eliomys quercinus) in Thüringen“ im Förderprogramm zur Entwicklung von Natur und Landschaft; finanziert durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten, kofinanziert von der Europäischen Union.
Projektleitung:
Thomas Mölich I BUND Thüringen, 036254 / 649150, thomas.moelich@bund.net
Projektkoordination:
Anita Giermann I BUND Thüringen, Tel: 0361 5550341, a.giermann@bund-thueringen.de
Pressekontakt:
Kerstin Neumann, BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0361 5550314, presse(at)bund-thueringen.de


