Die Natura 2000‑Station Unstrut‑Hainich/Eichsfeld betreut seit mehreren Jahren das Moor „Hanfsee“ bei Neunheilingen – das einzige Schwingrasenmoor Thüringens. Am letzten Aprilwochenende fand wieder ein Pflegeeinsatz statt, an dem 27 Helfende vor Ort waren: Mitarbeitende der Natura 2000‑Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld, die BUNDjugend, internationale Studierende, Mitglieder der BUND‑Ortsgruppe Mühlhausen und der Unteren Naturschutzbehörde des Unstrut‑Hainich‑Kreises sowie der Landwirt mit seiner Familie, dessen Moorschnucken das Moor beweiden.
Sarah Ziegler, stellvertretende Stationsleiterin, erläutert: „Mit den vielen Helfern hatten wir einen erfolgreichen Pflegeeinsatz in diesem besonderen Moor, der auch noch viel Spaß gemacht hat. Ziel war es, viele der Birken abzuknicken und damit eine weitere Austrocknung und Beschattung des Moores zu reduzieren. Anschließend sollen Moorschnucken hier weiden. Sie fressen die abgeknickten Birkenzweige und halten weitere Pflanzen kurz. Einzelne Moorbirken dürfen stehen bleiben.“
Menschliche Handarbeit und Beweidung greifen hier sinnvoll ineinander, um dauerhaft die Offenhaltung des Moores und die Entwicklung moortypischer Vegetation zu sichern. Ohne die Pflege würden die Birken und Gehölze das Moor immer weiter überwachsen und diesen besonderen Lebensraum mit Arten wie Scheidenblättriges Wollgras, Nördlicher Kammfarn und Europäischer Laubfrosch verdrängen. Mit einer Motorsense wurden einzelne Schneisen geschnitten, damit die Helfer für den Pflegeeinsatz die Fläche gelangten. Das Moor darf ansonst nicht betreten werden.
Ortschaftsbürgermeister Sandro Seeländer sorgte für Essen und Getränke. Der Landwirt Marko Hesse, der die AGN Agrargesellschaft mbH Neunheilingen führt, lud nach dem Arbeitseinsatz alle Interessierten ein, die vierbeinigen Landschaftspfleger, die Moorschnucken, kennen zu lernen.
Das Bildmaterial kann kostenfrei unter der Angabe des Rechtinhabers veröffentlicht werden:
Foto: Pflegeeinsatz: gezieltes Abknicken von Birken im Hanfsee © Juliane Vogt
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Foto: Moorschnucken, die an abgeknickten Birken fressen © Ronald Brudler
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Hintergrund:
Der Hanfsee ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und Lebensraum für seltene Moose, Farne, besondere Libellenarten, fleischfressende Pflanzen und eines der wenigen natürlichen Vorkommen des Nördlichen Kammfarns in Thüringen. Das sensible Schwingrasenmoor ist ein durch Auswaschung entstandener Erdfall, der sich über Jahrtausende mit Regenwasser füllte, ohne Zu‑ oder Abfluss.
Durch Trockenheit und frühere Eingriffe geriet der Wasserhaushalt des Moores aus dem Gleichgewicht. Moor‑ und Hängebirken breiten sich zunehmend aus, beschatten das Moor und entziehen ihm Wasser – die typische Moorvegetation wird so verdrängt. Zahlreiche Maßnahmen verschiedener Akteure wurden bereits zugunsten des Moores durchgeführt, zuletzt eine großflächige Entnahme von 80 Prozent der Birken mithilfe der Förderung durch den Freistaat Thüringen (Programm NALAP).
Die Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld befindet sich in Trägerschaft der Wildtierland Hainich gGmbH, die auch das Wildkatzendorf Hütscheroda betreibt. In dem von der Station betreuten Gebiet im Nordwesten Thüringens (Landkreise Eichsfeld, Unstrut-Hainich und nördlicher Wartburgkreis) werden viele praktische Naturschutzprojekte initiiert und durchgeführt.
Natura 2000 ist das weltweit größte, grenzübergreifende Schutzgebietsnetz. Europaweit hat es den Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume zum Ziel. Neben dem behördlichen Naturschutz ist in Thüringen ein Netzwerk von zwölf Natura 2000-Stationen an dessen Umsetzung beteiligt. Ziel ist die Vermittlung zwischen behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft und der Bevölkerung vor Ort.
Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF) hat die Natura 2000-Stationen eingerichtet und fördert diese. Seit 2019 ist das Netzwerk der Natura 2000-Stationen im Thüringer Gesetz zur Neuordnung des Naturschutzrechts (vom 30. Juli 2019) gesetzlich verankert und somit fester Bestandteil des Naturschutzes in Thüringen. Informationen zum Netzwerk unter www.natura2000-thueringen.de.
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