Thüringer Bündnis für die sozialverträgliche Mobilitätswende

Das im April 2024 gegründete Thüringer Bündnis für eine sozialverträgliche Mobilitätswende (SVM) setzt sich für eine gerechte und nachhaltige Mobilitätspolitik ein. Es vereint drei Säulen der Gesellschaft: Sozialverbände, Gewerkschaften und Umweltverbände. Weiterer wichtiger Bündnispartner ist die Evangelische Kirche.

Ziele & Aufgaben

Das Thüringer Bündnis für eine sozialverträgliche Mobilitätswende vereint Sozialverbände, Gewerkschaften, Umweltverbände und die Evangelische Kirche, mit dem gemeinsamen Anliegen einer ökologisch und sozial gerechten Mobilitätswende. Ziel ist es, eine Allianz und Plattform zu schaffen, in der soziale Belange, wie zum Beispiel Barrierefreiheit, Gesundheitsschutz, Bezahlbarkeit, gute Arbeitsplätze sowie Klima- und Artenschutz Hand in Hand gehen. Die beteiligten Bündnispartner repräsentieren durch ihre großen Mitgliederzahlen die gesamte Breite der Thüringer Bevölkerung – Menschen aller Altersgruppen, Einkommens- und Lebenssituationen. Gemeinsam geben die Gründungspartner verkehrspolitischen Themen auf Landesebene eine starke Stimme.

Mobil mit dem Rad Mobil mit dem Rad  (Alejandro Lopez / CC0 1.0 / unsplash.com / unsplash.com)

Das Bündnis formuliert Ziele und konkrete Forderungen, die sich vor allem an die Politik richten. Es nimmt Stellung zu politischen Diskussionen und Entscheidungen. Doch auch mit Wirtschaft und der Zivilgesellschaft möchte das Bündnis ins Gespräch kommen. Vier Handlungsfelder stehen dabei im Vordergrund: Mobilität als Teil der Daseinsvorsorge, Lebensqualität und Gesundheit, Beschäftigte in der Mobilitätswirtschaft und ein Kulturwandel.

Forderungen

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Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) muss flächendeckend ausgebaut und verbessert werden. Dies umfasst die Einführung neuer Linien, die Taktverdichtung bestehender Linien sowie die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Der ÖPNV muss jede Gemeinde erreichen und landesweit in einem zufrieden stellenden Takt aufeinander abgestimmt werden.

Einführung eines landesweiten Sozialtarifs

Die Implementierung eines Sozialtarifs für den ÖPNV, der sich z.B. an Beziehende von Sozialleistungen oder generell an Menschen mit wenig Geld richtet, ist notwendig, um diese gesellschaftlich nicht auszugrenzen. Außerdem müssen Modelle für Familien entwickelt werden, die den Zugang zubezahlbarer Mobilität ermöglichen. Einige Landkreise gehen hier mit gutem Beispiel voran, indem sie Schüler*innen ein kostenfreies Deutschlandticket zur Verfügung stellen. Dieses Programm sollte ausgeweitet werden. Damit die Mobilität junger Menschen auch nach der Schulzeit gewährleistet ist, sollte ein 29-Euro-Ticket für alle bis 27 eingeführt werden. Der ÖPNV muss „konkurrenzfähig“ sein. Daher fordern wir die thüringische Landesregierung auf, sich um Preisstabilität beim 49-Euro-Ticket zu bemühen.

Förderung der Barrierefreiheit

Barrierefreie Zugänge zu Fahrzeugen im gesamten ÖPNV sind notwendig, um Menschen mit Behinderung, Älteren und Menschen mit Kindern eine uneingeschränkte Mobilität zu ermöglichen. Dies umfasst insbesondere den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen und Haltestellen. Ebenso ist die Schaffung von Barrierefreiheit bei den Fahrgastinformationen sicher zu stellen. Wichtig ist, dass Betroffene aus allen Zielgruppen bei der Planung und Durchführung von Projekten im ÖPNV einbezogen werden. Dadurch lassen sich Kosten für nachträgliche Änderungen vermeiden.

Investitionsoffensive in die Verkehrs- und Mobilitätsinfrastruktur

Zum Start einer umfassenden Investitionsoffensive in die Verkehrs- und Mobilitätsinfrastruktur müssen neben den Mitteln des Bundes auch Landesmittel eingesetzt werden.

Förderung des Umweltverbundes

Die Investitionen in den Ausbau und die Vernetzung von Fuß- und Radwegen sowie den öffentlichen Nah- und Fernverkehr müssen erhöht werden, um eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr für alle zu schaffen. Hierzu gehört auch die Schaffung sicherer und durchgängiger Radwege in städtischen und ländlichen Gebieten. Ebenso ist die Anbindung von Gewerbegebieten an den ÖPNV zu gewährleisten. Von einem besseren Anschluss profitieren Pendler*innen genauso wie die lokale Wirtschaft.

Förderung von Elektromobilität auf Straße und Schiene

Besonders im Flächenland Thüringen müssen die notwendigen Rahmenbedingungen für den Hochlauf der Elektromobilität geschaffen werden. Der Ausbau des Ladesäulennetzes muss beschleunigt werden, mit dem Fokus auf Schnell-Ladesäulen an allen Tankstellen, in Innenstädten, in Tiefgaragen, an Wohnhäusern, am Arbeitsplatz und im Handel. Die Kommunen, deren Stadtwerke und auch die Wohnungswirtschaft müssen bei der Errichtung des Ladesäulennetztes unterstützt werden. Ebenso benötigen die Kommunen bei der Anschaffung klimafreundlicher Fahrzeuge Unterstützung. Die klimafreundliche Umgestaltung und die Verbesserung des Bahnverkehrs durch die Elektrifizierung vielbefahrener Bahnstrecken muss ebenfalls vorangetrieben werden.

Erhalt und Ausbau von Grünflächen

Die Sicherung und der Ausbau von Grün- und Wasserflächen sowie von Naherholungsgebieten ist besonders in Zeiten zunehmender Hitzetage essenziell. Menschen und Tiere brauchen mehr Orte zur Erholung und Abkühlung.

Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität

Deutschlandweit starben im Jahr 2020 28.900 Menschen vorzeitig an den Folgen der Feinstaubbelastung. Deutschland belegt damit Platz drei in der EU nach Italien und Polen.2 In den Städten muss die Feinstaubbelastung durch den Verkehr deshalb gesenkt werden. Gerade ärmere Menschen wohnen oft an viel befahrenen Straßen und sind von höherer Luftverschmutzung und belastenden Lärm durch den Verkehr betroffen. Der Gesundheitsschutz muss weiter verbessert werden.

Stadtplanung mit Mensch im Mittelpunkt

Eine Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs durch die Stärkung der aktiven Mobilität hat eine positive gesundheitliche Wirkung auf die Verkehrsteilnehmenden und auch die Wohnqualität. Für die Zukunft muss statt der „autogerechten Stadt“ die grüne Stadt mit kurzen Wegen in den Fokus rücken.

Verlässlicher ÖPNV und gute Arbeit

Für den Ausbau und die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in Thüringen werden viele zusätzliche Fachkräfte gebraucht. Dem bereits jetzt bestehenden eklatanten Fachkräftemangel ist durch bessere Einkommens- und Arbeitsbedingungen entgegenzuwirken. Dies müssen die Aufgabenträger (Land und Kommunen) bei der Vergabe von Verkehrsdienstleistungen berücksichtigen und gute Arbeitsbedingungen verlangen.

Grüne Transformation der Industrie

Die Industrie in Thüringen muss fit für die Zukunft gemacht und die Ansiedelung weiterer Zukunftstechnologien vorangetrieben werden. Alle neuen Bereiche brauchen Strategien für eine klimaneutrale Wertschöpfungskette und sinnvolle Einsatzfelder unter Berücksichtigung von Effizienz- und Umweltkriterien. Insbesondere die Unternehmen in der automobilen Wertschöpfungskette brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und finanzielle Ressourcen für Geschäftsmodellinnovationen, Investitionen und die Weiterbildung der Beschäftigten. Diese Maßnahmen sind nicht nur wegen des Klimaschutzes geboten, sondern notwendig, um Thüringen wettbewerbsfähig aufzustellen und gute, tariflich entlohnte Arbeitsplätze zu halten und auszubauen.

Förderung von Innovationen in der Mobilität

Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Entwicklung und Implementierung innovativer, nachhaltiger Verkehrslösungen an thüringischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen besonders unterstützt werden.

Reform der Schuldenbremse

Die Landesregierung soll sich für eine Reform oder Abschaffung der Schuldenbremse einsetzen, damit nötige Investitionen getätigt und der Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig erhalten werden kann. Es bedarf einer Wiedererhebung der Vermögenssteuer, die direkt den Ländern zufließt, damit diese einen Betrag zu den
notwendigen Investitionen in die sozial-ökologische Energie- und Verkehrswende leisten können.

Inklusive Planungsprozesse

Bei der Entwicklung von Verkehrskonzepten und -projekten müssen die Bürger*innen frühzeitig und umfassend eingebunden werden. Bürgerräte, Bürgerforen, Online-Plattformen und lokale Arbeitsgruppen sollen die Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung in Thüringen verbessern. Bei allen Planungsprozessen müssen auch die Bedarfe von Pendler*innen mitberücksichtigt werden.

Kontinuierlicher Dialog

Regelmäßige Dialogformate zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Thüringen müssen ausgebaut und etabliert werden, um die Umsetzung der Mobilitätswende voranzutreiben.

Bildung und Aufklärung

Bei der Entwicklung und Durchführung von Aufklärungskampagnen zu den Vorteilen, Voraussetzungen und der Bedeutung einer nachhaltigen Mobilitätswende sollten die Bürger*innen eine aktive Rolle übernehmen. Schulen, Vereine und lokale Initiativen müssen hierbei eingebunden und entsprechend unterstützt werden.

Entwicklung von Visionen für ein gutes Leben

Es müssen Visionen für ein nachhaltiges und lebenswertes Leben in Thüringen gefördert werden, die eine umweltfreundliche und sozial gerechte Mobilität beinhalten. Dies umfasst die Entwicklung von Pilotprojekten und Modellregionen, um innovative Mobilitätslösungen voranzutreiben.

Ansprechpartner

Robert Bednarsky

Landesvorsitzender
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