Landesverband Thüringen e.V.
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Artenvielfalt am Waldrand

Wo jagt die Wildkatze am liebsten? Wo finden Neuntöter, Zaunkönig und Grasmücken passende Nistplätze? Wo kann man die Grünliche Waldhyazinthe, den Hainlaufkäfer und den Kaisermantel finden?

Waldränder können als strukturreiche Saumlebensräume Brennpunkte der Artenvielfalt sein. Ökologisch wertvolle Waldränder bieten Lebensraum für etwa 40 Vogelarten, 20 Säugetierarten und 1200 Kleintierarten. Sie bremsen zudem Starkwinde aus und schützen den Wirtschaftswald vor Sturmschäden. Dennoch wird den Waldsäumen oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ohne Pflege und gezielte Neuanlage verschwinden sie und verlieren in der Kulturlandschaft ihre ökologische Bedeutung und Schutzfunktion.

Im Projekt „Waldsäume sind Lebensräume“ kartiert der BUND Thüringen in Zusammenarbeit mit der AöR ThüringenForst landesweit ca. 700 km Waldränder und entwickelt einen Maßnahmenplan zur Wiederherstellung artenreicher Waldsäume mit Schwerpunkt in den Thüringer Natura 2000 - Gebieten.

Waldrand ohne Vielfalt

Bei diesen Waldrändern fehlt jede Art von Struktur. Sie sind typische Beispiele für den "Kronentrauf am Ackerrand".

Waldränder wie diese haben ihre Schutzfunktion und ihr Lebensraumpotential eingebüßt. Unter dem „Kronentrauf am Ackerrand“ verschwindet durch Beschattung und Nähstoffeintrag jede Existenzgrundlage für eine vielfältige Lebensgemeinschaft. Starkwind wird nicht über den Bestand abgeleitet. Trifft der Wind auf einen sehr dichten Waldrand, so kann nur ein geringer Anteil hindurchströmen. Nach einer gewissen Strecke bilden sich im Bereich der Baumkronen großräumige energiereiche Wirbel, die im Bestand zu erheblichen Windschäden führen können. Dadurch kommt es auch weit hinter dem Waldrand oft zu starken Sturmschäden. 

Als sehr günstig gegenüber Sturmschäden erweist sich ein Aufgleitrand aus Sträuchern und Laubbäumen. Ein Teil der Luftmassen kann durch den Aufgleitrand in den Bestand einströmen und ein anderer Teil wird über das Kronendach hinweggelenkt.

Quelle: Geropp und Granzer 1997, Universität Siegen
Bis Ende 2019 konnten bereits 465 km ausgewählter Waldränder in 14 Forstämtern erfasst werden. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Mittel- und Ostthüringen.

In 2020 wurden die Flächen in Westthüringen kartiert, auch eine Untersuchung des Artenvorkommens mittels Fotofalle fand statt. Dazu wurden Flächen im Thüringer Wald herangezogen.

So fatal das Waldsterben für unsere Wälder ist, so bietet es der Natur an ausgewählten Flächen auch neue Möglichkeiten. An den Brachflächen können neue strukturreichere Waldränder entstehen, die wiederum Nistplätze für Neuntöter und Grasmücken bieten.

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.
In Kooperation mit

 

 

Eure Ansprechpartner

Thomas Mölich

Projektleitung
Schlossstr. (Pavillon) 1 99820 Hörselberg-Hainich E-Mail schreiben Tel.: 036254 / 879250

Maria Winkler

Projektmitarbeiterin
E-Mail schreiben Tel.: 036254 / 879250

  

Fortführung des Projektes

Nach den beiden Trockenjahren 2018 und 2019 ist die Dringlichkeit und Aktualität des Themas „Waldrand“ umso größer. Um den Wald fit für eine Zukunft mit veränderten klimatischen Bedingungen zu machen, ist es unumgänglich, auch die Waldränder in einen entsprechenden Zustand zu bringen. Ein stufig aufgebauter Waldsaum schützt den dahinterliegenden Waldbestand und mildert den Einfluss von Starkwind, UV-Strahlung, Austrocknung und der Einwehung von Pestiziden und Düngemitteln angrenzender Agrarlandschaften.

Zugleich dienen gut strukturierte Waldränder als Elemente im Biotopverbund und ermöglichen es u.a. der Wildkatze, immer neue Reviere zu erschließen. Ein wichtiges Teilziel des Projektes ist es daher, die bisher noch kleine Population im großen potentiellen Lebensraum des mittleren Thüringer Waldes und seiner anschließenden Gebiete durch die Waldrandaufwertungen zu stärken und so das System von Metapopulationen der Wildkatze in Thüringen insgesamt zu stabilisieren – diesbezüglich kommt dem Schwerpunktraum eine Schlüsselfunktion zu.

Ziel des Projektes ist – in fortgesetzter Kooperation mit der AöR ThüringenForst – mindestens 15 km Waldrand auf Grundlage des entwickelten Maßnahmenkonzepts in ökologisch hochwertige Lebensräume zu überführen. Im Fokus stehen dabei die Forstämter Schmalkalden, Oberhof, Frauenwald und Gehren, um das Schwerpunktgebiet Mittlerer Thüringer Wald abzudecken, sowie die Forstämter Weida und Bleicherode Südharz.

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.
In Kooperation mit
Intakter Waldrand Intakter Waldrand  (Maria Winkler)

Für Waldbesitzer

Erhaltung strukturreicher Waldränder

Jeder Waldbesitzer kann durch Pflege und Erhaltung guter Waldränder viel zum Schutz vor Sturmschäden und zur Erhaltung einer lebendigen Vielfalt von Pflanzen und Tieren beitragen. Maßnahmen zum Umbau und zur Pflege von Waldrändern, die diese Schutzfunktionen nicht mehr erfüllen, können als Waldumweltmaßnahmen (Förderprogramm „WUM“) durch das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft gefördert werden. Nähere Informationen und Beratung erhalten sie bei Ihrem Forstamt (www.thueringenforst.de).

Weitere Informationen zum Förderprogramm finden Sie hier.

Download der Förderrichtlinie 

Poster

Das Plakat zum Projekt gibt es hier zum Download.

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