Landesverband Thüringen e.V.
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Saison 2020

Insgesamt gelangen 2020 bundesweit fast 3000 sichere Nachweise des Gartenschläfers über die Meldestelle, Spurenblätter, Wildkameras oder die Auswertung von Proben. Der Erkenntnisstand zur Art verbessert sich merklich, aber es gibt noch viele Wissenlücken, die es zu schließen gilt. In 2021 liegt unser Augenmerk darauf intensiv Gebiete zu beproben, wo der Gartenschläfer bis vor einiger Zeit noch heimisch war und Kotproben und Totfunde in den Gebieten zu gewinnen, wo er noch vorkommt.

  • Über 1500 sichere Meldungen des Gartenschläfers sind 2020 über die Meldestelle eingegangen. Der Großteil davon kommt aus Rheinland-Pfalz und Hessen. Lediglich acht sichere Nachweise entfallen hierbei auf Thüringen.
  • Die Spurentunnel als Nachweismethode haben sich bewährt. Insgesamt konnten deutschlandweit 43 sichere Nachweise dokumentiert werden.
  • Rufaufnahmen sind eine Nachweismethode, die ab 2021 stärker genutzt werden wird. In unterschiedlichen Lebensräumen in Deutschland werden Horchboxen die Rufe der Bilche aufnehmen.
  • Die Auswertungen der Kotproben zeigen, dass in den allermeisten Proben vegetative Bestandteile enthalten sind. In weiteren Proben sind u. a. Käfer, Spinnen, Früchte, Wanzen, Hautflügler, Weberknechte, Raupen, Regenwürmer und Schnecken enthalten.
  • Das Projekt ergab die größte Totfundsammlung die es je gab. Sektionen und Analysen laufen. Bislang gibt es keinen Hinweis auf ein Seuchengeschehen. Zukünftige Untersuchungen widmen sich auch der Auswirkung von Pestiziden und Rodentiziden auf die Tiere.
  • Genetik: Es gibt diverse, gut unterscheidbare, lokale Linien. Verdriftung ist ein häufiges Problem, welche genetisch gut nachweisbar ist. Es gibt bislang keine Hinweise auf genetische Verarmung/Isolation.
  • Der Gartenschläfer in Thüringen

    Nach wie vor konzentrieren sich aktuelle Nachweise aus Thüringen fast ausschließlich auf das Hohe Thüringer Schiefergebirge – Frankenwald, das Schwarza-Sormitz-Gebiet, das östliche Ostthüringer Schiefergebirge – Vogtland sowie das Oberen Saaletal. Weitere Vorkommen gibt es im südlichen Thüringer Wald, hier untersuchen wir, wie weit sich die Nachweise in den Nordwesten ziehen. Die nördlichsten Nachweise befinden sich hier bei Oberweißbach. Ein großer Teil der aktuellen Sichtungen und Totfunde stammen aus ehemaligen Schieferabbaugebieten, aus Fichtenmonokulturen sowie aus (meist waldnahen) Gebäuden und Ortslagen. Ebenso finden sich viele Nachweise in Gewässernähe, hier sind besonders die Hohenwartetalsperre und die Bleilochtalsperre zu nennen.

    In weiten Teilen Thüringens gibt es derzeit keine Gartenschläfer-Nachweise.

    Über die Spurtunnel konnten wir dieses Jahr keine Nachweise der Art erbringen. Lediglich Siebenschläfer und Haselmäuse hinterließen Ihre Sohlenabdrücke auf Spurenblättern.

    Dafür konnten wir über Wildkameras 1250 Bilder von Gartenschläfern gewinnen, die Aufschlüsse über das Leben der Tiere liefern können und noch ausgwertet werden.

    Unsere Nistkastenstrecke erbrachte letztes Jahr 32 Kotproben, die sich bei genauerer Analyse als Kot des Siebenschläfers herausstellten. Dafür konnten sechs Kotproben des Gartenschläfers aus einem Vogelkasten bei Neuhaus am Rennweg gewonnen werden. Die Proben enthielten vegetative Pflanzenreste, Milben, Schnecken, Regenwürmer, Schmetterlinge, Spinnen und Käfer. Zwei weitere Gartenschläfer-Kotproben aus einem Vogelnistkasten im Thüringers Schiefergebirge enthielten Himbeeren, Doppelfüßer, Spinnen, Weberknechte und Ohrwürmer als Nahrung .

    Aufnahme Gartenschläfer Wildkamera Friedrichshoffnung, Probstzella

    Genetik

    Im Rahmen der „Spurensuche Gartenschläfer“ gehen wir dem Rückgang der Schlafmaus auch mit molekulargenetischen Methoden nach. Durch die Untersuchung von hunderten Proben von Gartenschläfern hoffen wir Antworten auf folgenden Fragen zu bekommen:

    • Wie ist die genetische Struktur der Gartenschläfervorkommen in Deutschland?
    • Wie hängt diese mit der Verbreitungsgeschichte von Gartenschläfern zusammen?
    • Gibt es Hinweise auf genetische Verarmung bei isolierten Populationen?
    • Wie können wir herausfinden, wo aufgefundene Gartenschläfer herkommen bzw. wieder freigelassen werden sollten?

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    Ausblick 2021

    Dormouse Monitoring System (DoMoS)  (Maren Goschke)

    In 2021 konzentrieren wir uns besonders auf den Norden Thüringens, den Südharz sowie das Eichsfeld. Unsere Hoffnung ist es, Altnachweise neu belegen zu können, die sowohl auf thüringischer, als auch auf niedersächsischer und sachsen-anhaltinischer Seite bis vor einiger Zeit noch vorlagen.

    Hierzu werden bei Nordhausen drei Spurtunnelstrecken stehen, ebenso mindestens vier Wildkameras. Im Eichsfeld beproben wir einen weiteren Bereich des Ohmgebirges. Eine Wildkamera wird wieder in Reifenstein stehen.

    Darüber hinaus werden wir im Schiefergebirge, an den Orten, wo wir Nachweise des Gartenschläfers haben, versuchen, weitere Daten zu gewinnen: Über Dauerbeobachtungen mit Wildkameras sowie ein neues Gerät zur Probensammlung, das Dormouse Monitoring System (DoMoS). Das Gerät wird von den Gartenschläfern freiwillig begangen, da es eine Futterstelle enthält und sie von Natur aus neugierig sind. Im Inneren befindet sich eine Haarentnahmestelle, die Tiere werden gewogen, gefilmt und fotografiert.

    Die Gartenschläfer-Saison 2020 in Bildern

    Uns erreichten schöne Bilder des Gartenschläfers, wir erhielten saubere Pfotenabdrücke von Siebenschläfer und Haselmaus und verbrachten schöne Stunden auf der Spurensuche. Aber auch andere Tiere wurden neben dem Bilch von unseren Wildkameras erfasst.

    Spurensuche Gartenschläfer 2020

    Verbundprojekt

    Die "Spurensuche Gartenschläfer" ist ein Gemeinschaftsprojekt der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung und des BUND.

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