„Forst erklärt“ den Gartenschläfer: Neuer Film zeigt Perspektiven im Thüringer Wald

29. September 2026

BUND Thüringen und „Forst erklärt“ informieren über geplante Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Schlafmaus

Copyright BUND Thüringen  (Thomas Mölich)

Erfurt, 29. September 2026. Wie kann der Gartenschläfer in den Thüringer Wald zurückkehren? Dieser Frage widmet sich ein neuer Film, den der BUND Thüringen gemeinsam mit „Forst erklärt“ produziert hat. Im Mittelpunkt steht die geplante Wiederansiedlung der in Thüringen vom Aussterben bedrohten Schlafmaus – und die Frage, welche Bedingungen der Wald bieten muss, damit der Gartenschläfer dort langfristig wieder eine Heimat findet.

Trotz seines Namens ist der Gartenschläfer ursprünglich ein Waldbewohner. Sein Verbreitungsgebiet ist jedoch stark geschrumpft. Ein wichtiger Rückzugsraum befindet sich heute im Thüringer Schiefergebirge. Im Thüringer Wald ist die Art weitgehend verschwunden. Erst in den vergangenen Jahren gelangen dort wieder einzelne Nachweise.

„Wenn wir den Gartenschläfer dauerhaft im Thüringer Wald erhalten wollen, müssen wir nicht nur über die Wiederansiedlung sprechen, sondern vor allem über seinen Lebensraum“, sagt Anita Giermann, Projektkoordinatorin beim BUND Thüringen. „Dafür brauchen wir strukturreiche Wälder mit Rückzugsorten, ausreichend Nahrung und Wasser – und vor allem Partnerinnen und Partner, die diese Lebensräume gemeinsam mit uns schützen und entwickeln.“

Eine wichtige Rolle kommt dabei der Forstwirtschaft und den Waldbesitzenden zu. Denn die Art ist auf vielfältige Waldstrukturen angewiesen. Intensive Bewirtschaftung, der Verlust von Versteckmöglichkeiten und Nahrung, sowie in der Vergangenheit auch großflächige Pestizideinsätze, haben zum Rückgang geeigneter Lebensräume geführt. Maßnahmen wie die des Bergwaldprojekt e. V. im Zukunftswald Unterschönau sind wegweisend für die Forstwirtschaft der Zukunft und können Vorbildfunktion einnehmen.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit mit „Forst erklärt“ an. Die Plattform vermittelt Wissen rund um Wald und Forstwirtschaft verständlich an Fachleute und interessierte Laien. Der entstandene Film sowie die dazugehörige Podcastfolge richten den Blick auf die Zukunft des Gartenschläfers im Thüringer Wald und erklären kurzweilig, wieso sich bestimmte Arten nicht von allein wieder ausbreiten können, welche Unterstützung sie bei der Wiederbesiedelung verloren gegangener Gebiete brauchen und wie ein gartenschläferfreundlicher Wald aussehen kann.

Die Voraussetzungen für eine Wiederansiedlung hat der BUND Thüringen bereits in einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass im Thüringer Wald grundsätzlich geeignete Lebensräume vorhanden sind. Eine selbstständige Wiederbesiedlung aus dem heutigen Verbreitungsschwerpunkt im Thüringer Schiefergebirge gilt dagegen als praktisch ausgeschlossen. Die geplante „Mission Gartenschläfer“ soll deshalb den nächsten Schritt gehen und eine Wiederansiedlung der Art vorbereiten.

Entstanden ist der neue Film im Rahmen des ENL-Projekts „Maßnahmen für die Sicherung der Populationen des vom Aussterben bedrohten Gartenschläfers (Eliomys quercinus) in Thüringen“. Neben konkreten Schutzmaßnahmen gehört dazu auch die Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren aus Forstwirtschaft und Naturschutz.

Den neuen Film und weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der Website des BUND Thüringen:
LINK zu Film und Podcast

Hintergrund:

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) gehört zur Familie der Bilche und ist in der aktuellen Roten Liste Thüringens (2021) als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. In Thüringen befindet sich sein Verbreitungsschwerpunkt im Thüringer Schiefergebirge. Im August 2026 gelang bei Georgenthal im Thüringer Wald erstmals seit mehr als 65 Jahren wieder ein Nachweis im Umfeld der Wechmarer Hütte. Weitere Hinweise aus den vergangenen Jahren deuten darauf hin, dass sich im Thüringer Wald einzelne Tiere beziehungsweise Reliktvorkommen erhalten haben könnten.

Das aktuelle ENL-Projekt setzt die Schutzbemühungen für den Gartenschläfer fort. Dazu gehören die Stabilisierung der Population im Thüringer Schiefergebirge, die Aufwertung potenzieller Lebensräume im Thüringer Wald und die Vorbereitung weiterer Maßnahmen zum langfristigen Erhalt der Art.

Weitere Informationen:
BUND Thüringen: Gartenschläfer
www.bund-thueringen.de/gartenschlaefer/

ENL-Projekt Gartenschläfer
www.bund-thueringen.de/gartenschlaefer/enl-gartenschlaefer/

Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedlung:
https://www.bund-thueringen.de/gartenschlaefer/machbarkeitsstudie/

Projektleitung:
Thomas Mölich | BUND Thüringen
Tel.: 036254 / 649150
thomas.moelich(at)bund.net

Projektkoordination:
Anita Giermann | BUND Thüringen
Tel.: 0361 / 5550341
a.giermann(at)bund-thueringen.de

Pressekontakt:
Kerstin Neumann | Christina Eberhardt
BUND Thüringen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0361 5550314
Mobil: 0176 13338510 oder 0176 13338564
presse(at)bund-thueringen.de

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